Beseelung

29. November 2016
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Der beseelte Mensch kurz nach der Geburt

Ich verschiedenen Artikeln hatte ich mich bereits mit der Frage befasst: Was passiert, wenn der physische Körper stirbt? Meine Sicht der Dinge ergibt sich aus dem Lesen der vielen Bücher, die sich mit dem Phänomen Nahtod befassen und aus den Berichten von Bekannten und Freunden, welche bereits eines Nahtoderlebnis hatten. Viele Menschen mit einer derartigen Erfahrunge kommen über den Zustand der Außerkörperlichkeit hinaus. Die Außerkörperlichkeit  betrifft – wie es der Name schon sagt – das zeitweilige Verweilen des Ich-Bewusstseins außerhalb des physischen Körpers. Sie kann auch ohne eine Todesnäheerfahrung erreicht werden (das ist eine sogenannte Außerkörperliche Erfahrung). Bei der Nahtoderfahrung jedoch schwebt das Ich-Bewusstsein meist nicht nur über dem Körper, sondern wird mit nahezu magischer Kraft in einen Tunnel gezogen, an dessem Ende ein Licht leuchtet, das eine unwiderstehliche Anziehung auf den Betroffenen ausübt. Menschen mit einem solchen Tunnelerlebnis beschreiben selbiges mit signifikant ähnlichen Details. Allen gemein ist, dass das Licht am Ende des Tunnels eine allumfassende – mit Worten nicht beschreibbare Liebe – ausstrahlt, die es dem Betroffenen nahezu unmöglich macht, sich der hieraus entstehenden Anziehung bewusst zu verweigern. Viele schildern hierbei ein Gefühl des Erkennens und der Rückkehr in ein Gefilde, dass man als seine „Heimat“ wiedererkennt. So dann folgt ein kurzer Einblick in die „Heimat“ bisweilen das Gespräch mit vorverstorbenen Verwandten oder der Lebensrückblick vor einem Lichtwesen, während dessen das bisherige Leben vor dem Ich-Bewusstsein in wenigen Augenblicken „vorbeifliegt“. Zum Ende dieser Kontakte, wird dem Betroffenen eröffnet, dass er nicht verweilen darf, sondern ins Irdische zurückkehren muss, da noch eine Aufgabe zu erledigen ist. Die Betroffenen kehren in der Regel mit dem Gefühl zurück, dass sie im Diesseits nur eine zeitlich befristete Rolle zu spielen. Allen gemein ist die Sehnsucht nach der Heimat im Jenseits.
Soweit so gut. Aus diesen Erkenntnissen heraus ergibt sich jedoch die Frage: Was passiert eigentlich vor der Geburt eines Menschen? Wenn die Seele (das Ich-Bewusstsein) nach dem Tod des physischen Körpers in die Heimat zurückkehrt, dann muss es einst bei der Beseelung des kleinen Körpers im Mutterleib von dort gekommen sein. Warum aber kann man sich nicht an sein vorheriges Dasein im Jenseits erinnern? Weshalb ist man als Säugling im Zustand der Unbewusstheit? Um auf dieses Fragen zu antworten, habe ich mir eine fiktive Geschichte ausgedacht, welche hinsichtlich der wesentlichen Beschreibungen des Jenseits auf die Darstellungen des zwischenzeitlich verstorbenen Mediums Sylvia Brown zurückgehen. So könnte es im Jenseits aussehen. Viel Spaß beim Lesen …

Beseelung

Sie war bereit, ihre Heimat zu verlassen. Sie wartete am Ende des Wandelgangs, hoch oben auf dem Plateau der breiten Pyramidentreppe vor der hohen, goldenen Pforte, die das Innere der riesigen Gerechtigkeitshalle von den weiten Außenanlagen trennte. Sie betrachtete ihr Spiegelbild, das vom polierten Metall der hohen Tür reflektiert wurde. Ihr war bewusst, dass es nur die Illusion einer Reflexion war, da jeder Stein, jeder Baum, jeder Halm und jedes noch so kleine Ding in der Heimat aus purer Energie bestand und sich somit Farben, Formen und Dichtigkeiten jederzeit wandeln konnten. Sie selbst hatte sich für den feierlichen Anlass ein knielanges, indigoblaues Kleid aus hauchdünner Seide kreiert, dass ihre grazile, schlanke Figur gut zur Geltung brachte, ihre festen Brüste in leicht durchscheinenden Andeutungen offenbarte und perfekt zu ihren gleichfarbigen, leuchtenden Augen passte. Ihr hüftlanges, hellblondes Haar trug sie im klassischen Stile hochgesteckt, mit einem einfrisierten goldenen Diadem, das von zahlreichen Lapislazuli geziert wurde. Alles in allem war sie mit ihrem Aussehen sehr zufrieden, bis auf ihre Nase, die ihr in diesem Augenblick einmal wieder ein wenig zu stupsig erschien.

Nicht mehr lange, und sie wäre an der Reihe und würde die Gelegenheit haben, ihren Plan vor dem Hohen Rat zu verteidigen. Sie hatte ihren Entschluss gefasst, die nächste Reise anzutreten und keiner konnte sie mehr umstimmen. Zweifellos, ihre Heimat war so wunderschön und erfüllte sie unablässig mit dieser Allglückseligkeit, die man mit Worten nicht beschreiben konnte; dennoch war ihre Entscheidung endgültig. Es würde ihr schwerfallen, von hier fortzugehen, denn dieser Ort war unvergleichlich und vollkommen. Sein denkwürdigstes und schönstes Kennzeichen waren seine endlosen, sich weithin erstreckenden prachtvollen Gärten, die sie so sehr liebte. Sie waren zwischen den langen Wandelgängen angelegt, die die gewaltigen Gebäudekomplexe der Gerechtigkeitshalle, der Weisheitshalle und der Archivhalle miteinander verbanden. Soweit das Auge reichte, entfaltete sich dort in jeder Himmelsrichtung eine anmutige Fülle aus leuchtenden Blumen, plätschernden Bächen und rauschenden Wasserfällen, hohen Bäumen mit breiten Kronen, Moosteppichen und Farnen zwischen gepflasterten Wegen und hölzernen Brücken, ausgedehnten Wiesen und steinernen Obelisken, hinter denen sich die lichtumfluteten Kuppeln der majestätischen Triade hervortaten.

Noch heute morgen war sie in den Parks spazieren gegangen, hatte sich auf einer der kühlen, weißen Marmorbänke vor einem der schönen Springbrunnen mit den goldenen Wasserspeiern von Meerjungfrauen niedergelassen und den Augenblick in sich eingesogen. Vielleicht würde sie sich auf ihrer Reise an die Pracht und Lieblichkeit ihrer Heimat erinnern, vielleicht auch nicht. Sie hoffte jedenfalls, dass ihr ein Fünkchen Erinnerung blieb. Dieser Ort, der ihre Heimat war und es auch immer bleiben würde, war ein jedes Mal der Ausgangspunkt und das Ziel ihrer Reisen gewesen, von denen sie bereits die notwendige Anzahl hinter sich gebracht hatte, um den höchsten Grad der Weisheit zu erlangen. Sie müsste also gar nicht mehr fort von hier. Niemand könnte sie wegschicken, niemand ihr diesbezüglich Weisung erteilen. Die Gestandenen ihres neunten Hauses, die denselben hohen Grad wie sie innehatten, hatten mit Erstaunen reagiert, als sie ihnen von ihrer Absicht berichtete, dass sie nun eine weitere Reise unternehmen wollte. Wie kann man nur die Heimat verlassen und sich Unbewusstheit und Körperlichkeit freiwillig antun?

Vermutlich würden sie es nie verstehen, aber das rührte sie nicht. Es kam nur darauf an, dass der Hohe Rat ihren Entschluss und einen ihrer Reisepläne billigte. Vor sechs Mondzyklen hatte sie ihrer Seelenpartnerin ihre Absichten offenbart. Auch sie stammte aus dem neunten Haus. Sie kannten sich schon sehr lange, wenn man die Dauer dieser Bekanntschaft überhaupt in Zeiteinheiten messen konnte, denn so etwas wie Zeit existierte hier nicht. Sie ähnelten sich wie ein Ei dem Anderen und das nicht nur äußerlich sondern auch in ihren Neigungen und bei ihren Interessen. Nun, nach einer halben Ewigkeit gemeinsamer Zyklen würden sie für eine Weile durch die Existenz in unterschiedlichen Dimensionen getrennt sein. Nicht vollständig, denn ihre Seelenpartnerin würde ihr während eines Abschnittes ihrer Reise beistehen, die Verbindung zu ihr halten, ihr helfen und sie beraten. So war es vorgesehen. Ihre treue Freundin hatte ihre Entscheidung respektiert und sich auf ihre Bitte bereit erklärt, ihre Geistführerin zu sein. Jedoch mussten die geistigen Berater wechseln, weil auch die Lebensabschnitte mit ihren unterschiedlichen Anforderungen wechselten. Und so kam es, dass sie sich noch acht weitere geistige Berater erwählte, die alle aus ihrem Hause stammten.

Danach hatte sie sich für das Aufstellen ihres Reiseplanes neun Orientierungshelfer ausgesucht, wobei ein jeder dieser Helfer aus einem anderen Haus stammte, so dass in ihrer Planungsgruppe alle Häuser vertreten waren. So gab es das erste Haus der Anführer, das zweite Haus der Vermittler, das dritte Haus der Sprecher, das vierte Haus der Lehrer, das fünfte Haus der Abenteurer, das sechste Haus der Ernährer, das siebte Haus der Glaubenssucher, das achte Haus der Organisatoren und schließlich ihr eigenes: das neunte Haus der Menschenfreunde. Alle Orientierungshelfer waren Experten auf ihrem Gebiet und hatten bereits zahlreiche Reisen in die niederen Dimensionen hinter sich gebracht. In schier endlosen Zyklen diskutierten sie in einem kleinen Saal in der Gerechtigkeitshalle, umgeben von weißen Marmortischen und –bänken, unter Zuhilfename der verschiedensten visuellen Hilfsmittel, von Karten und zahllosen Büchern über den einen oder anderen Aspekt der jeweiligen Eigenschaft und Begabung, der in den Reiseplan aufzunehmen wäre. Jede Einzelheit war abzuwägen. Auf das Hauptthema ihrer Reise hatte sie sich schnell festgelegt. Da gab es für sie gar auch keinen Zweifel, war es doch der eigentliche Grund, warum sie die Reise in die niederen Dimensionen antreten wollte. Sie wollte die anspruchsvolle Schule des Lebens durchlaufen und dabei anderen Reisenden helfen, ihre eigenen Lebensprüfungen zu bestehen. So wurden für ihre Lebensreise auch die Täter und die Opfer ausgesucht, was nur durch Sichtung von unzähligen Bereitschaftserklärungen anderer Seelen erfolgen konnte, um diejenigen zu finden, die dem jeweiligen Zweck eines Lernprozesses am besten dienen konnten. Ihr war bewusst, dass die Freiwilligen, die sich als Täter zur Verfügung stellten, damit große Opfer brachten. Sie würden grausam sein, ihr physischen und psychischen Schmerz zufügen und sich damit selbst belasten. Sie würde durch die Grausamkeiten der Anderen mit der ganzen Härte des Lebens konfrontiert werden. Jedoch musste sie diese Unannehmlichkeiten, Gemeinheiten und Tragödien erleben, damit sie aus diesen Situationen lernen und durch die Art ihrer Bewältigung gestärkt aus ihnen hervor gehen könnte. All diese Erlebnisse würden ihr kostbare Erkenntnisse einbringen, die sie während ihres Daseins in der Heimat niemals gewinnen konnte. Natürlich würde es auch angenehme Abschnitte geben und ihr würden andere Reisende beistehen und ihr helfen, dieses harte Trainingslager des Lebens zu überstehen. Auch sie würde in mancher Hinsicht Täterin sein müssen, denn auch andere Reisende sollten durch ihre Handlungen lernen können. All das wurde vom Orientierungsteam abgewogen und diskutiert. Ihr Reiseplan musste überdies mit den Reiseplänen der Täter- und Opferseelen synchronisiert werden. Alle Lebensbegegnungen wurden akribisch genau geplant. Als es daran ging, die schwersten Schicksalsschläge zu bestimmen, traf sie auf den Widerstand ihrer Berater, denn in deren Augen schickte sie sich an, sich in einzelnen Etappen ihrer körperlichen Existenz zu viele Schwierigkeiten aufzubürden. So stritt sie mit ihnen auf ihre unvergleichlich galante Art und warf ihre Erfahrungen aus ihren früheren Reisen in die Waagschale. Zum Schluss gab es zwei Varianten ihres Reiseplanes. Als sie schließlich den blauen Kristallspeicher in den Händen hielt, der die kompletten Pläne enthielt, war sie erleichtert und stolz zugleich.

Das plötzliche Ächzen des schweren Metalls der hohen Pforte riss sie aus ihren Gedanken, als sich die Torflügel öffneten. Sogleich drang eine laute Aufforderung in ihr Bewusstsein. Es war der Herold des Hohen Rates, dessen Aufruf ihren Geist erreichte: Tritt ein, der Hohe Rat erwartet dich!

Der Aufforderung folgend, schritt sie zügig durch den hohen Eingang und vernahm, wie sich das goldene Tor mit einem lauten, metallischen Donnern hinter ihr schloss. Vor sich erblickte sie die hoch aufragende Statue der Muttergottheit Azna, welche aus purem Gold bestand. Die Bekleidung der Göttin war als Chiton ausgeführt, das an den Schultern und um die Knöchel als reich gefältelter dünner Stoff erschien, der so eng an ihrem Körper lag, dass ihre anmutigen Hüften und ihre vollen Brüste sich unter dem gerafften Stoff deutlich abzeichneten. In der Hand des nach oben angewinkelten rechten Arms hielt sie das Heft eines kunstvoll geschmiedeten Schwertes, dessen lange, nach links unten geneigte Klinge sie mit der Hand ihres abgewinkelten linken Arms vorsichtig umschloss. Lange, wallende Haare umschmeichelten ihr lächelndes Gesicht. Ihre Augen bestanden aus weißem Perlmutt, die darauf angebrachten Iriden aus grünen Smaragden, in deren Mitte Onyxe als Pupillen eingearbeitet waren. Die Göttin blickte sie mit solch durchdringender Intensität an, dass es ihr gerade so schien, als würde sie in ihr Innerstes schauen können. Sie passierte die riesige Skulptur, wobei es ihr klein wenig so vorkam, als würden deren Augen ihr folgen. Im Rücken der Statue tat sich die gewaltige Rotunde auf, über der eine riesige Kuppel thronte, durch deren weite Lichtöffnung das goldene Licht des Tages einfiel. Sie betrachtete die mächtigen weißen Marmorsäulen, die das eherne, gigantische Bauwerk in seinem Inneren stützten und betrat das Herzstück der Halle, eine gewaltige, geradezu heilig anrührende Arena. Auf den umlaufenden Rängen, die mit stuckverzierten, steinernen Brüstungen abgegrenzt waren und sich in vielen Stockwerken über ihr erhoben, hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, um ihrer ehrwürdigen Bekundung beizuwohnen. Sie schritt auf einen schimmernden, u-förmigen Tisch zu, der aus edlem, weißen Marmor bestand.

An ihm saßen die Mitglieder des Hohen Rates auf großen Stühlen, die wegen ihrer prächtigen Schnitzereien und breiten Lehnen fast wie Throne wirkten. Hinter ihnen standen drei Dutzend goldbeflügelte Fürstentümer, deren erhabene Gesichter völlig regungslose Mienen zeigten.

Die Magister und Magisterinnen lächelten ihr aufmunternd zu, als sie sich vor ihnen platzierte. Aus reifen, aber völlig faltenlosen Gesichtern blickten sie achtzehn Augenpaare freundlich an. Die Frauen hatten lange, glatte, silberweiße Haare, die ihre unvergleichliche Anmut und Schönheit unterstrichen. Die Männer trugen ihr weißes Haar schulterlang und ihre silberweißen, langen Vollbärte erschienen wie Rangabzeichen ihrer Würde und Weisheit. Alle Ratsmitglieder waren in fließende, bodenlange, weise Gewänder gekleidet, welche von goldenen Rändern gesäumt wurden. Obwohl sie hinsichtlich der Kleidung und der Frisuren uniform wirkten, lagen in ihren Gesichtern sehr unterschiedliche Züge. Wie sie wusste, waren im Rat alle neun Häuser vertreten. Dies konnte sie auch daran erkennen, dass auf den hohen Rückenlehnen, die über ihre Köpfe hinausragten, die Zahlen der Häuser eingeschnitzt waren. An den äußeren Enden des u-förmigen Tisches saßen sich die zwei Ratsmitglieder aus dem ersten Haus gegenüber. Jeweils neben ihnen saßen die des Zweiten, dann die des Dritten und so weiter. So setzte sich die Sitzordnung bis zur Mitte des Tisches fort, wo schließlich der Magister und die Magisterin aus dem neunten Haus nebeneinander saßen.

Der neunte Magister schaute sie mit seinen warmen braunen Augen an und seine Stimme klang feierlich, als er sagte: „Kind Gottes, sag, was ist dein Begehr?“

Normalerweise war es nicht üblich, zu sprechen, denn man kommunizierte telepathisch, doch in Vorbereitung auf die Körperlichkeit gehörte es zur Zeremonie, dass man die astralen Stimmbänder benutzte.

Noch etwas unsicher, aber doch mit fester Stimme begann sie zu sprechen: „Hoher Rat, ich ersuche um die Genehmigung, in die körperliche Zelle zu transformieren und meine dreiundneunzigste Lebensreise anzutreten. Hier ist mein Reiseplan!“

Sie hob den rechten Arm und öffnete die Hand auf der der blaue Kristall lag. Der Magister nickte. Sogleich verschwand der Stein auf ihrer Hand und erschien einen Wimpernschlag später auf seiner. Er nahm ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, hielt ihn prüfend vor die Augen und steckte ihn in eine Aussparung auf der Spitze einer goldenen Pyramide, die über einem marmornen Podest schwebte, das unmittelbar vor dem Tisch des Rates stand.

Der Visualisierer, dachte sie.

In die Seitenflächen der sich langsam drehenden Pyramide waren verschiedene Zeichen eingraviert. Sie erfasste einen stilisierten Baum, einen Sonnenkopf, einen Vollmond, der durch einen zunehmenden und einen abnehmenden Mond flankiert wurde, ein Pentagramm, ein Hexagramm, ein Auge, das über einem Dreieck stand und noch viele andere Insignien. Zwischen ihnen waren die verschiedensten Edelsteine eingelassen. Sie erkannte Obsidiane, Amethyste, Rubine, Tigeraugen, Türkise, Karneole, Citrine und Aventurine.

Jäh begann der Kristall zu leuchten. Ein gleißendes, helles Licht überflutete die Arena. Einen kurzen Moment war sie geblendet. Dann jedoch begann das Leuchten zu pulsieren und der Kristall warf Strahlen in den Raum, die holografische Visionen erzeugten. Gebannt starrten die Ratsmitglieder in die Flut der projizierten Bilder, welche mit so schneller Folge wechselten, dass die unzähligen Tages- und Nachtszenen der wiedergegebenen Lebensepisoden in ihren Augen ein permanentes Flackern widerspiegelten. Es dauerte nicht lange, da erlosch der Kristall wieder. Die Blicke der Ratsmitglieder richteten sich erneut auf sie und sie spürte, dass sie eindringlich gemustert wurde. Während auf einigen Gesichtern ungläubiges Staunen lag, zeigten andere ein verständnisvolles Lächeln.

Die Magisterin aus dem ersten Haus warf ihr einen vieldeutigen Blick zu und ergriff als Erste das Wort: „Sag, weshalb willst du dich freiwillig in die Begrenztheit der menschlichen Zelle transformieren lassen? Du musst das nicht tun, denn du hast bereits den höchsten Grad!“

Sie hatte schon geahnt, dass diese Frage gestellt würde und so hatte sie sich bereits eine Antwort zurechtgelegt. „Vielleicht wirst du es nicht verstehen, aber ich möchte wieder einmal das Gefühl erleben, mit echten Füßen über eine Wiese zu laufen. Ich sehne mich nach einer direkten Verbindung zu Gaia, einer Empfindung die ich auf meinen früheren Reisen so sehr genossen habe. Und …“, sie hielt kurz inne, „ … dann ist da noch das unbändige Verlangen nach körperlichen Umarmungen.“

Die Magisterin zog eine Augenbraue hoch. „Körperliche Umarmungen? Aber sind es nicht die energetischen Verschmelzungen, die dir in jeder Hinsicht Erfüllung bringen? Du hast doch bestimmt einen Seelenpartner, mit dem du dich schon einmal vereinigt hast?“

„Oh ja, die Verschmelzungen mit meiner Seelenpartnerin waren immer wundervoll und unvergleichlich, aber mit einem richtigen Körper einen anderen Menschen zu spüren, das ist doch etwas ganz anderes. Eine körperliche Umarmung war für mich immer ein fantastischer Moment. In ihm vereinigen sich die Freude, wenn man sich begrüßt, der Schmerz, wenn man sich trennt und die Liebe, wenn man sich begehrt.“

Der Magister aus dem siebten Haus nickte bestätigend. „Weise gesprochen! Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Von mir aus sei es dir gewährt, in den von dir erwählten Körper zu gehen. Erklär mir aber, warum hast du uns zwei Lebenspläne vorgelegt?“

Sie stieß einen leisen Seufzer aus. „Nun, ich hätte es gerne vermieden, euch zwei Pläne vorzulegen, aber meine Berater meinten, dass mein erster Plan nicht umsetzbar sei. Er bürge die Gefahr in sich, dass ich in den niederen Dimensionen Schaden nehmen könnte, weil mein Körper die Prüfungen, die ich mir selbst stellen will, nicht überstehen würde. Daher ward ein zweiter Plan aufgestellt, den ich allerdings nicht bevorzuge.“

Die Magisterin aus dem sechsten Haus ergriff das Wort. „Mir scheint, als wären beide Pläne eine Spur zu ehrgeizig. Der Erste ist ganz und gar nicht akzeptabel. Dein Körper wird an den Entbehrungen, die du dir darin auferlegen möchtest, zerbrechen, mögen sie auch zu tiefgreifenden Erfahrungen führen. Es nützt dir nichts, wenn dein Geist in den niederen Dimensionen hängenbleibt, weil du deinen Körper wegen der selbst auferlegten Pein vorzeitig zerstören wirst. Dir ist doch bewusst, was passiert, wenn du dich selbst richten würdest?“

Als sie die Worte der Magisterin vernahm, legte sie die Stirn in Falten. „Nun ja, das schon, hohe Magisterin! Aber ich würde doch niemals Hand an meinen selbst erwählten Körper legen! Nicht jedenfalls so, dass ich ihm damit sämtliche Lebensenergie entziehe. Ich denke, der Plan ist trotz all der schwierig erscheinenden Lebensprüfungen durchführbar! Mein Lohn wären unvergleichliche Erfahrungen!“

Die Magisterin schüttelte den Kopf. „Deine Absichten mögen ehrenhaft sein, aber wenn du erst einmal das Tor der Unbewusstheit passiert hast, wirst du dich an deine Worte nicht mehr erinnern können!“

Nun ergriff der Magister aus dem dritten Haus das Wort. „Hohe Schwester, ich kann deine Bedenken durchaus verstehen, aber entspricht es nicht dem ewigen Gesetz allen Seins, dass sich ein Jeder sein Schicksal selbst wählen kann?“

Während auf diese Worte einige Ratsmitglieder zustimmend nickten, schüttelten andere stirnrunzelnd die Köpfe. Jeder schien nun etwas sagen zu wollen.

Die Magisterin aus dem achten Haus rief: „Das Seelenheil eines Reisenden steht über seiner Freiheit, sich sein Schicksal selbst auszuwählen!“

Der Magister aus dem vierten Haus erwiderte kopfschüttelnd: „Zum Seelenheil gehören zweifellos die Einsichten, welche während einer Lebensreise gewonnen werden und es ist uns grundsätzlich entzogen, die Kinder Gottes von solchen Erfahrungen fernzuhalten!“

Als sich nun ein Raunen unter den Besuchern auf den Rängen erhob, stand der Magister des neunten Hauses auf und hob beschwichtigend die Hände. „Brüder, Schwestern, so kommen wir nicht weiter. Ich schlage vor, dass wir uns eine Weile in die Archivhalle zurückziehen, um dort nach vergleichbaren Fällen zu suchen und unter Betrachtung dieser Recherchen, über die vorgelegten Lebenspläne zu beraten.“

Mit einem einhelligen Nicken bekundeten die Ratsmitglieder ihre Zustimmung.

Mit einem freundlichen Lächeln wandte er sich nun zu ihr um: „Wir werden dich rufen lassen, wenn wir zu einer Entscheidung gekommen sind.“

***

Die Dämmerung war angebrochen und die Sonne gab dem hohen Berghorizont hinter der Schattensilhouette der mächtigen Kuppeltriade ein purpurnes Rendezvous, als sie den vereinbarten Treffpunkt im Park neben dem Springbrunnen der Meerjungfrauen erreichte.

Ihre Seelenpartnerin wartete bereits und winkte ihr, da sie wusste, dass der Hohe Rat eine Entscheidung getroffen hatte, aufgeregt zu. Ein Schwall von Worten drang in ihr Bewusstsein. Da bist du ja endlich! Das hat aber gedauert! Wie war es? Wann geht es los?

Sie lächelte vieldeutig und hob ihre flachen Hände vor die Brust. Ihre liebe Freundin verstand sofort, und legte ihre Hände an. Umgehend verloren ihre astralen Leiber den Schein von Körperlichkeit, wurden durchsichtig und leuchteten wie Nebelschleier im Mondlicht. Die eben noch präsenten Konturen ihrer Körperformen transformierten zu zwei strahlenden Lichtbällen aus purer Energie, die miteinander verschmolzen und Eins wurden. Eine Weile fühlten sie sich zeitlos treibend als untrennbareres Ganzes, in welchem ihre verbundenen Seelen vor lauter Glückseligkeit frenetisch tanzten. Nur wenige Augenblicke, und die gleißende Kugel teilte sich wieder in zwei Lichtbälle, die zusehends die alten Konturen annahmen, in welche sofort die Farben und Formen ihrer astralen Körperlichkeit zurückkehrten. Als wäre nichts geschehen, standen sie sich wieder gegenüber und schauten sich mit leuchtenden Augen an.

Ihrer Seelenpartnerin stand die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Grundgütiger, sie stellen dir tatsächlich jemanden zur Seite, der dir hilft, deine schweren Schicksalsprüfungen zu bestehen?

Gleichwohl es mehr eine Feststellung als eine Frage war, antwortete sie: Ja! Er wird mir beistehen und mich von meiner Unbewusstheit befreien. Sein Plan wurde an meinen angepasst. Das ist eine akzeptable Konstellation. Die Hauptsache ist doch, dass mein erster Plan bestätigt wurde.

Naja, ein paar Änderungen haben sie ja doch vorgenommen!, erwiderte ihre Freundin.

Nun gut, damit bin ich einverstanden, denn der Plan bleibt sehr anspruchsvoll und ich werde auf der Reise viele neue tiefgreifende Erkenntnisse gewinnen.

Ihre Seelenpartnerin warf ihr einen gedankenvollen Blick zu. Was ich da während unserer Vereinigung gesehen habe, war sehr ergreifend und teilweise sogar erschreckend? Willst du das wirklich?

Fast unmerklich zuckte sie mit den Schultern, dann erwiderte sie: Wie heißt es in einer alten Weisheit so schön: Die süßesten Früchte hängen ganz oben am Baum!

 

***

 

Die Türme waren zwei riesige, monolithisch wirkende Bauwerke, deren Pracht manche Bewohner der Heimat gar über die Vollkommenheit der Hallen der Triade stellten. Die massiven Fassaden der Türme bestanden aus blauem Glas, über welche unaufhörlich Wasser rieselte. Es legte einen so feinen Sprühnebel über dem angrenzenden Jasminwald ab, dass die starke Lichtbrechung einen leuchtenden Regenbogen schuf, der dem Besucher beständig den Weg zu den ehernen Toren wies.

Das Bild dieses ekstatischen Lichtspiels noch vor Augen, lag sie nun in einer gläsernen Transformationsröhre in einem der Abreiseräume im Inneren der Türme. Als sie der zurückliegenden Momente gedachte, fühlte sie einen gewissen Zwiespalt. Dieses Gefühl, es war eine merkwürdige Mischung aus Zuversicht und Wehmut. Ihr Abschied von ihren lieben Freunden schnitt tiefer als ein Messer. Ihre letzte Vereinigung mit ihrer Seelenfreundin war so wundervoll und voller Glückseligkeit, was es ihr nur noch schwerer gemacht hatte, sich von ihr zu trennen. Auch die Gewissheit, dass sie sich wiedersehen würden, hatte sie dabei kaum trösten können. Gleichwohl ihr bewusst war, dass ihre Reise, gemessen an der Ewigkeit, nur ein kurzer Ausflug in die niederen Dimensionen war, fiel das Loslassen ihrer Heimat unsagbar schwer.

Unvermittelt wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als der Takter zu pendeln begann. Wie sie wusste, synchronisierte das Ding die Energiekanäle der verschiedenen Dimensionen und schuf im richtigen Augenblick den Tunnel, der sie in die irdische Matrix brachte. Gleich würde der Abstieg in den Schoß jener Mutter beginnen, die sie sich auserwählt hatte und ihr Geist würde das Tor der Unbewusstheit durchschreiten. Während sie den Taktschlägen lauschte, liefen vor ihrem geistigen Auge noch einmal Bilder ihrer Heimat vorbei. In ihrer Erinnerung sah sie die schönen Gärten und Parks, die prachtvollen Tempel und Hallen, die belebten Straßen und Plätze, sah deren glückliche Bewohner und die Allmacht Gottes. Wie lange noch würde sie sich dieser Vollkommenheit bewusst sein? Würde sie sich während ihrer Reise überhaupt jemals daran erinnern?

Einstweilen schlug das Pendel des Takters immer weiter aus und erhöhte zusehends seine Geschwindigkeit. Schneller und schneller wurde das Ding, sein Schlagen immer lauter.

Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack.

Dann blieb es plötzlich stehen. Unvermittelt begann die gläserne Transformationsröhre zu erstrahlen. Sogleich verschwand die Umgebung der Kammer hinter dem gleißenden Licht. Zu ihren Füßen tat sich ein Tunnel auf, in dessen Inneres nun das Licht der Röhre strahlte, jedoch nicht weit genug um an sein fernes Ende zu gelangen. Dort gähnte nur ein kleines schwarzes Loch. Noch ehe sie darüber nachdenken konnte, wurde sie in den Tunnel gezogen. In rasendem Tempo bewegte sie sich auf das schwarze Loch zu. Schnell kam es näher, viel zu schnell. Je näher es kam, umso stärker schwanden ihre Sinne. Dann verschluckte es sie und mit ihrem letzten Funken Bewusstheit spürte sie, dass sie in die Enge eines kleinen Körpers fuhr. Als die wohlige Wärme in der Dunkelheit sie schließlich einlullte, war sie fortan eine Gefangene der Zeit.

Collage: Jens Vogler


Der Plan des Lebens

18. September 2011
Filmplakat "Der Plan" von Universal Pictures

Filmplakat „Der Plan“ von Universal Pictures

Stell dir vor, dein Leben läuft nach einem Drehbuch wie ein Film ab. Du bist wie ein Schauspieler, aber im Gegensatz zu denen, die sich vor der Kamera in bestimmten Posen postieren und vorgebene Sätze herplappern, bist du dir gar nicht darüber bewusst, dass dein Leben nach einem Drehbuch läuft. Hast du nicht manchmal auch das Gefühl, dass alles schief läuft, wenn du etwas Bestimmtes willst und dann wieder alles wie von selbst geht, wenn du dich anders entscheidest? Ist es dir schon mal passiert, dass du deinen Autoschlüssel vermisst hast, du fluchend überall suchtest, unter dem Bett, im Kleiderschrank und ihn dann an einer Stelle fandest, wo du schon gesucht hattest und wo man ihn hätte gar nicht übersehen können? Du kamst natürlich zu spät, und das wurde noch schlimmer weil die Straße gesperrt war. Und dann erfuhrst du, dass just zu der Zeit, wenn du wie immer am Morgen an der Stelle am Ortsausgangsschild vorbeigefahren warst, genau dort ein schlimmer Verkehrsunfall passiert war. Ein wirklich schlimmer Unfall mit vielen Toten. Und in diesem Augenblick läuft es dir kalt den Rücken runter! Zufall? Glück? Mitnichten! Tief in deinem Inneren weist du, dass das kein Zufall war. Aber du glaubst doch an diese Dinge nicht! Du bist Realist! Und doch war der Autoschlüssel zunächst wie vom Erdboden verschluckt und lag dann unübersehbar plötzlich auf dem Boden im Flur. Da du allein lebst und auch kein Haustier ala Katze oder Hund hälst, konnte auch niemand das verdammte Ding weggelegt haben. Was also um alles in der Welt war da passiert?

Ich sage es dir … es stand nicht in deinem Plan, dass du an diesem Tag sterben solltest. Da du sonst immer pedantisch exakt zur selben Zeit die selbe Stelle passiertest und dies heute wieder passiert wäre, musste etwas geschehen, was dich aus deinem Zeitplan brachte. Tja, bleibt da nur der „Trick“ mit dem Autoschlüssel! Wie geht das? Ach komm schon … es war alles nur Einbildung und du hast das Ding schlichtweg übersehen! Okay … sei es so, du sollst ja auch gar nicht mitbekommen, dass da im Hintergrund immer ein paar Helfer wirken, die du vor dem Eintritt in dieses Leben selbst beauftragt hattest.

Neulich kaufte ich mir eine DVD die den Titel „Der Plan“ trägt. Hauptdarsteller ist Matt Damon, der den jungen aufstrebenden Politiker David Norris spielt, welcher für einen Senatssitz des Staates New York kandidiert. David lag in den Umfragen deutlich vor seinem Gegenkandidaten, als ihm am Wahltag eine Schlagzeile und ein Foto in der New York Post zum Verhängnis wurde, die ein großes Bild seines nackten Hintern zeigte, welches bei einer Junggesellenparty mit Freunden aufgenommen worden war. David verliert die Wahl. Als er auf der Herrentoilette noch mal seine Rede durchgeht, mit welcher er vor seinen Anhängern seine Niederlage eingestehen wollte, trifft er eine schöne, unbekannte Frau. Es funkt sofort und sie gibt ihm mehrere Ratschläge und inspiriert ihn zu einer Rede, die als seine beste Rede durch die Medien geht. Nun, sein Treffen mit jener Frau namens Elise war kein Zufall sondern stand im Plan seines Lebens, denn sie brachte ihn wieder auf Kurs, bei der nächsten Wahl wieder zu kandidieren. Nicht im Plan stand, dass sich David und Elise wiedersehen sollten oder sich gar verlieben. Als dies dennoch passierte, sahen sich seltsame Männer mit dunklen Anzügen und Hüten, welche sich als Beobachter im Hintergrund gehalten hatten, genötigt, einzugreifen. Sie kidnappten David und informierten ihn darüber, dass er sich an den Plan halten muss, den der „Vorsitzende“ für ihn geschrieben habe, in welchem Elise  nach dem Treffen auf der Herrentoilette des Hotels nicht mehr vorkommen würde. David bekommt die Information, dass er nicht frei über sein Leben bestimmen könne, denn wenn seine Entscheidungen dazu führten, dass vom Plan abgewichen würde, müssten die Männer von der „Planbehörde“ eingreifen. Natürlich findet sich David nicht damit ab, dass er die Liebe seines Lebens vergessen soll und macht sich planwidrig auf die Suche nach Elise. Ich möchte den Film hier nicht weiter auswalzen … nur soweit sei verraten, es gibt ein Happyend. Ein sehenswerter Film den du hier kaufen kannst.

Ausgehend von diesem durchaus interessanten Hollywoodstreifen stellt sich die Frage: Bestimmen wir frei über unser Leben oder ist dies nur eine Fiktion? Du wirst sofort denken: „Natürlich bin Herr meiner Entscheidungen und bestimme alles selbst!“ Jedoch deuten einige Umstände darauf hin, dass dem nicht ganz so ist. In meinem früheren Artikel „Der Lebensplan und die Gegensätzlichkeit“ hatte ich bereits ausgeführt, dass wir nichts realisieren können, was nicht in unserem Lebensplan steht. Und im Gegensatz zu dem Film „Der Plan“ hat nicht irgendein Vorsitzender den Plan geschrieben, sondern wir selbst haben vor unserer Inkarnation in unseren jetzigen Körper dies getan. Was dabei geschieht, und warum das so ist, hat Jonathan Klar in einem Prolog zu seinem Roman  „Regenbogenkönigin“ plastisch dargestellt:

„Nicht mehr lange, und sie wäre an der Reihe und würde die Gelegenheit haben, ihren Plan vor dem Hohen Rat zu verteidigen. Sie hatte ihren Entschluss gefasst, die nächste Reise anzutreten und keiner konnte sie mehr umstimmen … Vielleicht würde sie sich auf ihrer Reise an die Pracht und Lieblichkeit ihrer Heimat erinnern, vielleicht auch nicht. Sie hoffte jedenfalls, dass ihr ein Fünkchen Erinnerung blieb. Dieser Ort, der ihre Heimat war und es auch immer bleiben würde, war ein jedes Mal der Ausgangspunkt und das Ziel ihrer Reisen gewesen, von denen sie bereits die notwendige Anzahl hinter sich gebracht hatte, um den höchsten Grad der Weisheit zu erlangen. Sie müsste also gar nicht mehr fort von hier. Niemand könnte sie wegschicken, niemand ihr diesbezüglich Weisung erteilen. Die Gestandenen ihres neunten Hauses, die denselben hohen Grad wie sie innehatten, hatten mit Erstaunen reagiert, als sie ihnen von ihrer Absicht berichtete, dass sie nun eine weitere Reise unternehmen wollte. Wie kann man nur die Heimat verlassen und sich Unbewusstheit und Körperlichkeit freiwillig antun?
Vermutlich würden sie es nie verstehen, aber das rührte sie nicht. Es kam nur darauf an, dass der Hohe Rat ihren Entschluss und einen ihrer Reisepläne billigte. Vor sechs Mondzyklen hatte sie ihrer Seelenpartnerin ihre Absichten offenbart. Auch sie stammte aus dem neunten Haus. Sie kannten sich schon sehr lange, wenn man die Dauer dieser Bekanntschaft überhaupt in Zeiteinheiten messen konnte, denn so etwas wie Zeit existierte hier nicht. Sie ähnelten sich wie ein Ei dem Anderen und das nicht nur äußerlich sondern auch in ihren Neigungen und bei ihren Interessen. Nun, nach einer halben Ewigkeit gemeinsamer Zyklen würden sie für eine Weile durch die Existenz in unterschiedlichen Dimensionen getrennt sein. Nicht vollständig, denn ihre Seelenpartnerin würde ihr während eines Abschnittes ihrer Reise beistehen, die Verbindung zu ihr halten, ihr helfen und sie beraten. So war es vorgesehen. Ihre treue Freundin hatte ihre Entscheidung respektiert und sich auf ihre Bitte bereit erklärt, ihre Geistführerin zu sein. Jedoch mussten die geistigen Berater wechseln, weil auch die Lebensabschnitte mit ihren unterschiedlichen Anforderungen wechselten. Und so kam es, dass sie sich noch acht weitere geistige Berater erwählte, die alle aus ihrem Hause stammten.

Danach hatte sie sich für das Aufstellen ihres Reiseplanes neun Orientierungshelfer ausgesucht, wobei ein jeder dieser Helfer aus einem anderen Haus stammte, so dass in ihrer Planungsgruppe alle Häuser vertreten waren. So gab es das erste Haus der Anführer, das zweite Haus der Vermittler, das dritte Haus der Sprecher, das vierte Haus der Lehrer, das fünfte Haus der Abenteurer, das sechste Haus der Ernährer, das siebte Haus der Glaubenssucher, das achte Haus der Organisatoren und schließlich ihr eigenes: das neunte Haus der Menschenfreunde. Alle Orientierungshelfer waren Experten auf ihrem Gebiet und hatten bereits zahlreiche Reisen in die niederen Dimensionen hinter sich gebracht. In schier endlosen Zyklen diskutierten sie in einem kleinen Saal in der Gerechtigkeitshalle, umgeben von weißen Marmortischen und –bänken, unter Zuhilfename der verschiedensten visuellen Hilfsmittel, von Karten und zahllosen Büchern über den einen oder anderen Aspekt der jeweiligen Eigenschaft und Begabung, der in den Reiseplan aufzunehmen wäre. Jede Einzelheit war abzuwägen. Auf das Hauptthema ihrer Reise hatte sie sich schnell festgelegt. Da gab es für sie gar auch keinen Zweifel, war es doch der eigentliche Grund, warum sie die Reise in die niederen Dimensionen antreten wollte. Sie wollte die anspruchsvolle Schule des Lebens durchlaufen und dabei anderen Reisenden helfen, ihre eigenen Lebensprüfungen zu bestehen. So wurden für ihre Lebensreise auch die Täter und die Opfer ausgesucht, was nur durch Sichtung von unzähligen Bereitschaftserklärungen anderer Seelen erfolgen konnte, um diejenigen zu finden, die dem jeweiligen Zweck eines Lernprozesses am besten dienen konnten. Ihr war bewusst, dass die Freiwilligen, die sich als Täter zur Verfügung stellten, damit große Opfer brachten. Sie würden grausam sein, ihr physischen und psychischen Schmerz zufügen und sich damit selbst belasten. Sie würde durch die Grausamkeiten der Anderen mit der ganzen Härte des Lebens konfrontiert werden. Jedoch musste sie diese Unannehmlichkeiten, Gemeinheiten und Tragödien erleben, damit sie aus diesen Situationen lernen und durch die Art ihrer Bewältigung gestärkt aus ihnen hervor gehen könnte. All diese Erlebnisse würden ihr kostbare Erkenntnisse einbringen, die sie während ihres Daseins in der Heimat niemals gewinnen konnte. Natürlich würde es auch angenehme Abschnitte geben und ihr würden andere Reisende beistehen und ihr helfen, dieses harte Trainingslager des Lebens zu überstehen. Auch sie würde in mancher Hinsicht Täterin sein müssen, denn auch andere Reisende sollten durch ihre Handlungen lernen können. All das wurde vom Orientierungsteam abgewogen und diskutiert. Ihr Reiseplan musste überdies mit den Reiseplänen der Täter- und Opferseelen synchronisiert werden. Alle Lebensbegegnungen wurden akribisch genau geplant. Als es daran ging, die schwersten Schicksalsschläge zu bestimmen, traf sie auf den Widerstand ihrer Berater, denn in deren Augen schickte sie sich an, sich in einzelnen Etappen ihrer körperlichen Existenz zu viele Schwierigkeiten aufzubürden. So stritt sie mit ihnen auf ihre unvergleichlich galante Art und warf ihre Erfahrungen aus ihren früheren Reisen in die Waagschale. Zum Schluss gab es zwei Varianten ihres Reiseplanes. Als sie schließlich den blauen Kristallspeicher in den Händen hielt, der die kompletten Pläne enthielt, war sie erleichtert und stolz zugleich.

Nun dieser Auszug aus der Geschichte ist genauso fiktiv wie die Handlung des Films „Der Plan“. Wie also komme ich zu der Behauptung, dass es einen Lebensplan gäbe?

Hierzu gab mir wieder einmal ein Umstand Hinweise, der wohl in meinem Plan stand, durfte ich doch dem Vortrag einer Frau lauschen, die dem interessierten Zuhörerkreis von den Palmblattbibliotheken in Indien erzählte. Sie einst auf Grund einer Fernsehsendung, in der über das Rätsel der Schicksalsaufzeichnungen auf Palmblättern berichtet worden war, in den frühen 90er Jahren nach Indien geflogen. Nachdem sie trotz all ihrer Skepsis erleben musste, dass alles, was in ihren Palmblättern stand, zutraf und auch alle Zukunftsaussagen mit der Präzision eines Uhrwerkes eintrafen, begann sie, sich ganz und gar dem Phänomen der Palmblattbibliotheken zu widmen.  Diese Frau heißt Annett Friedrich und organisiert heute sehr erfolgreich mit ihrem kleinen Reisebüro „Zeitreisen“ Flugreisen nach Indien zu den Palmblattbibliotheken.

Was aber ist das für ein Phänomen? Rudi Berner beschreibt es in seinem Buch „Auf ein Wort“ wie folgt:

Den dahingehenden Beweis, was Ihre persönliche Zukunft und Ihre bisher durchlebte Vergangenheit anbelangt,  finden Sie in Indien – in einer Palmblattbibliothek.
Vor 7.000 Jahren hat sich in Indien eine Gruppe seltsamer spiritueller Gestalten, die „Rishis“ genannt werden, anein ganz besonderes Werk gemacht. Die Rishis waren in der Lage, die Zukunft einzusehen, und sie haben diese Fähigkeit dazu benutzt, um das Leben von mehreren Millionen Menschen, die einst in der Zukunft (also zum Beispiel jetzt) leben werden, und die (gemäß dem vorbestimmten Lauf des Geschehens) den Weg in eine Palmblattbibliothek finden, schriftlich zu dokumentieren. Das heißt im Klartext: vor 7.000 Jahren wurde Ihr persönliches Leben mühsam in ein Palmblatt eingeritzt, und selbiges in einer Palmblattbibliothek in Indien archiviert. Aber, wie bereits aufgezeigt, nur dann, wenn Sie es in Ihrem Leben zustande bringen, so eine Palmblattbibliothek aufzusuchen. Klingt unglaublich nicht wahr? – Ist aber so! Da die Rishis in die Zukunft blicken konnten, wussten sie auch genau, wer, wann, welche Palmblattbibliothek aufsuchen wird, und ausschließlich deren Lebensläufe haben sie aufgezeichnet. Die Millionen von Lebensläufen sind wiederum in Millionen von getrockneten Stechpalmblättern eingeritzt, und zwar in der indischen Ur-Sprache „Sanskrit“ oder in „Alt-Tamil“. Beide Sprachen sind vom Aussterben bedroht, und werden nur noch von wenigen Menschen beherrscht. Die Palmblätter sind in speziellen Palmblattbibliotheken archiviert, von denen es – über den indischen Kontinent verstreut – zwölf Hauptbibliotheken und einige Nebenstellen gibt. So ein beschriebenes Palmblatt hat eine zeitlich begrenzte Lebensdauer von ca. 700 Jahren, deshalb müssen alt und brüchig gewordene Palmblätter neu geschrieben werden, damit der Fortbestand des Inhaltes (Lebenslauf eines Menschen) durch die Jahrtausende hindurch garantiert ist. Die Palmblattbibliotheken sind traditionell in Händen von Meistern, haben etliche speziell ausgebildete Angestellte, und werden von Generation zu Generation weitervererbt. Auch die Fähigkeit des Palmblattlesens (also das Beherrschen der alten Sprachen) sowie die Einhaltung des jeweiligen Rituals – das von Bibliothek zu Bibliothek verschieden ist – wird durch die Generationen hindurch weitergereicht und gelehrt. Wenn nun ein Mensch den Weg in so eine Bibliothek findet (bei einigen muss man sich langfristig anmelden), dann wird ihm sein persönliches Palmblatt vorgelesen, dieses Zeremoniell wird „Nadi-Reading“ genannt. Zuallererst muss jedoch Ihr persönliches Palmblatt unter vielen anderen erst einmal gefunden werden, in manchen Bibliotheken lagern bis zu einer halben Million solch beschriebener Palmblätter. Die Identifikation läuft von Bibliothek zu Bibliothek unterschiedlich ab, mal wird der erste Buchstabe des Vornamens und ein Daumenabdruck gebraucht, mal der vollständige Name sowie das Geburtsdatum, mal genügt das Geburtsdatum allein usw. Der Nadi-Reader (so nennt man denjenigen, der Ihnen Ihr Palmblatt vorliest) sucht daraufhin ein passendes Palmblatt heraus, das jedoch noch verifiziert werden muss. Er liest dabei Ihr Palmblatt an, stellt Ihnen einige Fragen, und es kristallisiert sich dann mehr oder weniger schnell heraus, ob es tatsächlich Ihr Palmblatt ist. Wenn nicht, dann sucht er ein anderes heraus, das geht solange, bis sicher gestellt ist, dass Ihr persönliches Palmblatt nun vorliegt. Es gibt Fälle, wo die Prozedur des Auffindens des richtigen Blattes auf Anhieb klappt, in anderen Fällen sind mehrere Palmblattanlesungen dazu nötig. Ist Ihr Palmblatt gefunden, dann liest Ihnen der Nadi-Reader zuerst Ihre Vergangenheit vor, und anschließend, falls Sie es wünschen, Ihre Zukunft. Der komplette Lebenslauf eines Menschen ist nicht auf einem einzigen Palmblatt aufgezeichnet, sondern in der Regel auf mehreren Blättern. Ist das erste Blatt einmal gefunden und verifiziert, dann stellt die Auffindung des Anschlussblattes keinerlei Problem für den Nadi-Reader dar.  Nachfolgend einige Beispiele von Informationen, die auf den Palmblättern niedergeschrieben sind oder sein können:

Vergangenheit:
– Der eigene Name sowie die Namen von nahe stehenden Personen (Ehepartner, Freund/Freundin, Eltern, Geschwister, leibliche Kinder, Adoptivkinder usw.).
– Situationen, Zuneigungen und Daten, die die Familie und nahe stehende Personen betreffen.
– Krankheiten, Unfälle, Todesfälle, Straftaten, Rechtsstreitigkeiten, Feinde.
– Finanzen, Beruf, Ausbildung, Talente, Fremdsprachen, Haus, Grundbesitz, sonstige markante, erworbene Güter.
– Auslandsreisen, Besuch von Tempeln und heiligen Stätten, Rückblick auf frühere Leben (Inkarnationen).

Zukunft:
– Zukünftige nahe stehende Personen, Heirat, Partnerwechsel, zukünftige Kinder.
– Zukünftige Krankheiten, Heilungshinweise, zukünftige Unfälle und Lebensgefahren, Problemlösungen.
– Zukünftiger beruflicher Werdegang, Finanzen, Ort- oder Landeswechsel, Auslandsreisen.
– Zukünftige Todesfälle nahe stehender Personen, Ort und genauer Zeitpunkt des eigenen Todes.
– Nächste Geburt (Inkarnation) oder Erreichung der Erlösung.

Sie sehen also, es kann auf so einem Palmblatt ganz mächtig und äußerst detailliert zur Sache gehen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren in ein wildfremdes Land, gehen dort in eine Palmblattbibliothek, präsentieren dort Ihren Vornamen und einen Daumenabdruck, und kurze Zeit später liest man Ihnen Ihr bisheriges Leben vor. Und damit nicht genug, man fragt Sie anschließend auch noch, ob Sie auch Ihre Zukunft in Erfahrung bringen wollen. Nicht wenige Menschen (und gerade Besucher aus westlichen Ländern), die mit ihren Palmblättern konfrontiert worden sind, haben dahingehend zu kämpfen gehabt, die Situation seelisch zu verdauen. Es ist nämlich ein himmelweiter Unterschied, ob man von so einem Phänomen liest, wie Sie das gerade im Moment tun, oder ob man es am eigenen Leib erfährt. Wenn Sie die Erfahrung machen, dann wandelt sich Glauben zu Wissen, und Ihr Bewusstsein kann dadurch einen wahren Quantensprung vollziehen.“

Nun hatte ich auch die Gelegenheit mit mehreren Menschen zu sprechen, welche die Reise zu den Palmblattbibliotheken unternommen hatten. Sie bestätigten mir, dass es ein sehr einschneidendes prägendes Erlebnis ist, wenn der Nadi-Reader, der dich vorher noch nie gesehen hat, dein Leben aus einem konservierten Palmblatt lesend vor dir ausbreitet. Zufall? Wohl kaum. Okay, es mag dich vielleicht auch nicht ganz überzeugen, weil es auch kritische Berichte über die Palmblattbibliotheken gibt.

Rudi Berner geht in seinem weiteren Buch „Bewusstein und Logik“ sogar noch weiter, als nur zu behaupten, dass es einen vorgezeichneten Plan gibt. Er sagt, es gibt keinen freien Willen und bezieht sich auf wissenschaftliche Untersuchungen, welche gezeigt haben, dass ein in den Synapsen des Gehirns gefasster Entschluss zu einem Tun in 300 Millisekunden gerechnet später registriert wurde als  das Bereitschaftspotenzial des Probanden gemessen wurde, welches in der Phase zwischen Entschluss und Ausführung liegt. Rudi Berner schreibt hierzu:

„Um die mittlerweile mehrfach wissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass der „freie Wille“ des Menschen von Freiheit ein ganzes Stück weit entfernt ist. Und zwar so weit, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt!

Wie ist man denn zu dieser Erkenntnis gelangt?

Relativ einfach, denn man ist mittlerweile in der Lage, Aktivitäten (Wirkungsweisen!) des Gehirns, was Zugehörigkeit, Zeitlichkeit und Lokalität anbelangt, messtechnisch sehr genau zu erfassen und optisch darzustellen. Man ist hergegangen, und hat einer Testperson gesagt, dass sie einen spontanen Entschluss zu einer bestimmten Bewegung fassen soll. Das wäre zum Beispiel, wenn jemand sich spontan dazu entschließt, den rechten Arm anzuheben, und dies anschließend logischerweise auch ausführt. Beim Experiment wurde Folgendes gemessen: Erstens der Augenblick der Entscheidung, zweitens der Aufbau eines Bereitschaftspotenzials als Vorbereitung der Bewegung, und drittens der Zeitpunkt der Bewegung. Es zeigte sich, dass der bewusste Entschluss zur Handlung 200 Millisekunden vor dem Bewegungsbeginn auftrat, jedoch mehr als 300 Millisekunden nach dem Beginn des Bereitschaftspotenzials. Das Fazit derartiger Experimente ist derart heftig, dass man durchaus verstehen kann, warum man nicht so sehr daran interessiert ist, dass es publik wird, denn es lautet:

Wir tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun!

Dem der-ZEIT-igen bewussten SEIN verborgene Prozesse führen also zu Entscheidungen, für die es sich im Nachhinein (!) eine Begründung zurechtlegt, in der irrigen Annahme, selbst gehandelt zu haben!“

Zugegeben, diese These, es gäbe keinen freien Willen, ist nur schwer verdaubar. Ich erwarte auch gar nicht, dass du es akzeptierst, denn letztlich stand es auch im Plan, dass du das hier überhaupt lesen solltest. Damit bist du auch schon viel weiter als manch anderer Mensch, der immer noch in seiner ganz persönlichen Matrix steckt. Ich kann nur sagen, dass in den sogenannten Fantasysstreifen aus Hollywood viel mehr Wahrheiten stecken, als wir uns das vorstellen können.

Ich lasse dich jetzt mit deinen Überlegungen allein und das läuft letztlich auch nach Plan.

PS: Ich habe mir sagen lassen, dass du zumindest deine Zahnpastassorte noch aussuchen darfst 😉

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Reinkarnation – Eine Betrachtung zur Wiedergeburt

4. August 2010

Von Jonathan Klar – Zugegeben, der Gedanke an eine mögliche Wiedergeburt war mir früher suspekt. Wenn ich mir vorstellte, dass ich nach meinem Tod das ganze Prozedere des Lebens mit Kindheit, Schule, Ausbildung, Studium, Prüfungen, Züchtigungen, Krankheiten, Frustrationen usw. in einem neuen Körper noch einmal durchlaufen müsste, lehnte ich diese Perspektive von Grund auf ab. Auf der anderen Seite jagte mir die Vorstellung, dass mit dem Tod ein Schalter umgelegt wird, der alles dunkel macht und mein Bewusstsein auslöscht, große Angst ein. Zwischenzeitlich durfte ich jedoch erfahren, dass das eigene Bewusstein (ich sage dazu Ich-Bewusstsein) nicht an den physischen Körper gebunden ist. Das Ich-Bewusstsein, die Seele, der Geist, nennt es wie ihr wollt, ist unsterblich. Ich selbst kam zu dieser Überzeugung durch zwei Ereignisse.

Zum Einen hatte ich einmal das Glück, eine sogenannte außerkörperliche Erfahrung (AKE im Englischen: OUT OF BODY EXPERIENCE, abgekürzt OOBE) zu machen und ich sah meinen Körper von oben. Es ist etwas außerordentlich Erstaunliches wenn man plötzlich nicht mehr in seinem Körper steckt. Wenn man selbst auf sich herabblickt, dann ist das im ersten Moment so, als blickte man auf einen Fremden (diese Situation ist geradezu skurril), bis man realisiert, dass der eigene Körper da unten liegt. Es ist durchaus möglich, solche eine außerkörperliche Erfahrung selbst herbeizuführen. Hierzu verweise ich auf die gute Anleitung bei VerusLux.de im dortigen Artikel „Der Weg zur AKE“. Eine AKE ist nicht gleichzusetzen mit sogenannten Nahtoderfahrungen, welche diejenigen Erfahrungen sind, die auftreten, während der Körper in einem lebensbedrohlichen Zustand ist und der Betreffende aus Sicht der Beobachter bewusstlos erscheint. Zweifellos haben Nahtorderfahrungen regelmäßig eine Außerkörperlichkeit zur Folge, allerdings hat sie der Betroffene nicht bewusst herbeigeführt (es sei denn er wollte Selbstmord begehen). Also, wer einen Beweis dafür sucht, dass das eigene Bewusstsein nicht an den physischen Körper gebunden ist, der sollte es einmal mit der Herbeiführung einer AKE versuchen. Ich kann euch versichern, wenn ihr das einmal selbst erlebt habt, wird sich eure Einstellung zu Leben und Tod grundsätzlich ändern.

Zum Anderen durfte ich die außergewöhnliche Erfahrung eines Channelings machen, bei dem ein Medium mit der jenseitigen Ebene kommunizierte. Eine sehr gute Freundin in der Schweiz hat die Gabe, mit den „Toten“ zu „sprechen“. Ich verwende jetzt mal diese nicht ganz zutreffenden Begriffe, setze sie allerdings in Anführungszeichen. Die Situation war damals nicht gesteuert, dass heißt, das Channeling kam nicht zustande, weil wir eine diesbezügliche Sitzung abhalten wollten. Wir saßen vielmehr auf der Terasse des Hotels und tranken einen Kaffee, als mir meine gute Freundin sagte, dass jemand anwesend sei. Ich begriff nicht sofort, sah ich doch außer mir, ihr und den zwei anderen anwesenden Freundinnen keinen Menschen in der Umgebung. So erläuterte sie mir kurz, dass ein Geist anwesend sei und beschrieb mir, wie er aussah. Es war eine alte Frau, gebeugt, klein, auf einen Krückstock gestützt und mit einer Brille auf der Nase, welche so starke Gläser hatte, dass sie die ihre Augen vergrößerten. Sie fragte, ob ich die Person kennen würde. Zunächst war mir nicht klar, um wen es sich handeln könne, doch dann, als mir meine gute Freundin ein paar Stichpunkte gab, die sie von dem Geist der alten Frau übermittelt bekam, dämmerte es mir. Ein Wort, das einen Ort benannte, von dem das Medium unmöglich wissen konnte, brachte mich auf den richtigen Gedanken. Diesen Ort mit dem ungewöhnlichen Namen gibt es nur drei Mal in Deutschland. Es war der Namen des kleinen Dorfes, in dem mein Vater aufgewachsen war und eingedenk einiger weiterer „Gedächtnisstützen“ die der Geist über das Medium vermittelte, kam ich darauf, dass es sich um die Tante meines Vaters handelte, die ihn an Stelle seiner Mutter großgezogen hatte. Ja. ich kannte diese Frau zu Lebzeiten; als ich ein Kind war, war ich ihr öfters begegnet. Über meine eidgenössische mediale Freundin gab sie mir einige Ratschläge, aus denen ich erkannte, dass sie mich des öfteren von der jenseitigen Ebene aus beobachtet haben musste. Auch ermutigte sie mich in meinem Tun, meine Schreiberei fortzusetzen.  Alles in allem war dieser Kontakt eine der erstaunlichsten Erfahrungen für mich, die ich jemals gemacht habe. Ich durfte dann noch zwei weiteren „Sitzungen“ beiwohnen, die jedoch die „Verstorbenen“ meiner beiden anderen Reisebegleiterinnen betrafen. Diese Channelings waren nicht minder überraschend, zumal in ihnen den „Lebenden“ Botschaften der „Toten“ überbracht wurden, die unzweifelhaft bewiesen, dass es die jenseitige Dimension gibt.

Ausgehend von diesen Erfahrungen steht für mich fest, dass das Bewusstsein unsterblich ist und das es eine Fortexistenz desselben im sogenannten Jenseits gibt.

Kommen wir nun aber zum eigentlichen Thema: der Wiedergeburt.  Das in den USA bekannteste Medium ist Sylvia Browne. Sie veröffentlichte bereits zahlreiche Bücher, welche sich auch mit dem Thema Reinkarnation befassen. Als Hypnosemeisterin praktizierte sie seit den 1970er-Jahren unzählige sogenannte Rückführungen, bei denen ein Klient unter Hypnose ihr im Unterbewusstsein verstecktes Wissen über ihre früheren Leben hervorholen. Sylvia Browne sieht diese Rückführungen nicht nur als Selbstzweck, um etwa die Neugier des betreffenden Klienten zu befriedigen sondern als Therapie um bestimmte Befindlichkeitsstörungen, die bis dato von keinem Arzt therapiert werden konnten, aufzulösen. In ihrem Buch „Phänomene“ schreibt sie unter dem Stichwort „Rückführungshypnose“ hierzu unter Anderem folgendes:

“ Der Saal war zum Brechen voll. Ich hatte für dieses Experiment mehr Freiwillige, als ich zählen konnte. Perverserweise suchte ich mir den aus, der am skeptischsten von allen aussah, einen konservativ wirkenden Mann in den Dreißigern. Er stellte sich als Neil, Hypothekenbroker aus Texas, vor. Ich erklärte kurz den Hypnosevorgang, und bevor wir anfingen, fragte ich ihn noch, ob er irgendwelche körperlichen oder seelischen Probleme habe, denen wir auf den Grund gehen sollten. Ihm fielen zwei ein: chronische Schmerzen im rechten Fuß, die sein Orthopäde nicht diagnostizieren konnte, und die Angst, liebe Menschen trotz all seiner Anstrengungen und Bemühungen zu enttäuschen. Er war intelligent und ehrlich, und das sind mir die liebsten Kandidaten. Ich entspannte ihn, bis er in Hypnose war, und leitete ihn langsam erst durch dieses Leben zurück, dann durch seinen Tod in einem früheren Leben und schließlich in dieses Leben hinein. Er atmete einmal tief durch und schien in sich zusammenzusinken. Seine Stimme wurde brüchig und war kaum noch zu hören. Sein rechter Fuß drehte sich nach innen. Ich bat ihn, mir etwas über sich zu erzählen. Er sagte mir, sein Name sei Calvin. Er war zwölf Jahre alt und lebte auf einer Farm in Virginia. ‚Welches Datum ist heute?‘, wollte ich von ihm wissen. ‚Der 10. Juni 1821.‘ ‚Was ist mit deinem rechten Fuß nicht in Ordnung‘, fragte ich. Calvin hatte von Geburt an einen Klumpfuß, und deshalb war er für seine Eltern eine Last; sie hatten mit einem gesunden Sohn gerechnet, der auf den Feldern mitarbeiten konnte. Calvin war nicht mehr zur Schule gegangen, weil alle sich über ihn lustig machten. Seine Zeit verbrachte er damit, dass ers ich um die Tiere auf dem Bauernhof kümmerte. Sie liebten ihn und schienen nicht der Ansicht zu sein, dass mit ihm und seinem Fuß etwas nicht stimmte. Inzwischen hatte der ganze Saal Tränen in den Augen. Ich holte ihn langsam in die Gegenwart zurück, und bevor er vollständig aufweckte, fiel es mir ein, zu sagen: ‚Und ganz gleich, welchen Schmerz, welche Angst oder Negativität du aus einem früheren Leben mitgebracht haben magst, lass sie jetzt los. Lass zu, dass das weiße Licht des heiligen Geistes sie auflöst.‘ Er richtete den Oberkörper auf, der Fuß kehrte in die normale Position zurück, und Neil stammelte ein abwesendes ‚Dankeschön, während er die Bühne verließ. Ein paar Wochen später rief er mich in meinem Büro an und berichtete, die Schmerzen im Fuß seien weg, und seit der Hypnose sei es mit seinem Selbstvertrauen sehr viel besser geworden.“

Dieses Beispiel einer Rückführungshypnose zeigt, dass derartige Erfahrungen für die Betroffenen sehr tiefgehend sind und sich ihre vorher skeptische Sichtweise verändert. Nun mögen sich wieder die Kritiker zu Wort melden und behaupten, dass das, was Neil in Sylvia Brownes Rückführung geäußert habe, alles erfunden sein könnte. Diesen Kritikern sei die Sendung „Mein früheres Leben“, welche auf RTL ausgestrahlt wurde, empfohlen. Personen wie du und ich, welche gegenüber der Reinkarnationstheorie teilweise sehr abweisend gegenübertraten, stellten sich einem gleichartigen Experiment, einer Rückführung wie bei Sylvia Browne. Dieses Mal verfolgten die Kameras der Produktionsgesellschaft das Experiment, zeichneten jede Aussage aus dem früheren Leben auf, was die betreffenden Personen unter Hypnose beschrieben und forschten an Hand der beschriebenen Örtlichkeiten nach, ob sie heute noch existieren und ob die Aussagen durch stichhaltige Fakten belegt werden könnten. Ich empfehle einfach, dass ihr euch mal diese Sendung anschaut.

Ein anderes Phänomen, welches auf ein früheres Leben hinweisen könnte, ist das des sogenannten Dèjà-vu. Das sind Fälle, wenn man plötzlich mit dem überwältigenden Gefühl konfrontiert wird, man kenne einen Ort den man gerade aufsucht, an welchem man jedoch nachweislich noch nie zuvor gewesen war. Plötzlich überwältigt einen ein Gefühl unbändiger Angst oder des Glücks, ohne dass man sich diese Gefühle erklären kann. Manche Menschen kennen sich unvermittelt in alten historischen Gebäuden aus, die sie jedoch in diesem Leben noch nie zuvor betreten haben. Eine gute Freundin, die mich auf einer Reise in die Schweiz begleitete, hatte ein solches Dèjà-vu Erlebnis als wir die Burg Lenzburg im Kanton Aargau besuchten. Sie kannte sich so gut in den Räumlichkeiten der Burg aus, dass mir der Mund offen stand. Irgendwann verriet sie mir ganz unverhohlen, dass sie sich sicher sei, dass sie hier schon einmal gelebt habe. Alles sei so vertraut, als habe sie gerade erst gestern dort gewohnt. Sie nannte mir auch Einzelheiten, die in keinem Prospekt vermerkt waren, ging ganz unbefangen bis in Nebennischen der gut erhaltenen Räumlichkeiten. Oh, ich kam ganz schnell zu der Überzeugung, dass sie nicht das erste Mal an diesem Ort weilte, wenn es auch nicht in diesem Leben war.

Abschließend möchte ich betonen, dass ich nicht gedenke, Irgendjemandem den Glauben an die Reinkarnation „einzuprügeln“. Jeder mag glauben, was er will. Allerdings plädiere ich immer dafür, dass man sein Bewusstsein für neue Erfahrungen offen halten sollte, denn nur so hat man vielleicht die Chance, über seinen von Glaubensdoktrin und  „wissenschaftlichen Gewissheiten“ festgebundenen Schatten zu springen.

© 2010 by Jonathan Klar

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Rollenspiele

30. November 2008

rollenspiele-2501Die Menschen spielen in ihrem Leben verschiedene Rollen und glauben, sie seien diese Rolle, die sie verkörpern.

Warum spielen sie überhaupt solche Rollen?

Ich will dies beantworten. Zunächst bitte ich dich aber, meinen früheren Blogeintrag zu lesen. Ich hatte dort schon etwas zu Reinkarnation und Trennung von Körper und Geist erläutert. Hast du es gelesen oder weist du bereits, was Wiedergeburt bedeutet, dann kann ich zurück zur Antwort:

Zur Beantwortung der Frage, warum wir Rollen spielen, verweise ich auf ein sehr gutes Buch, das zwar Form eines Romans geschrieben ist, jedoch dem Leser Erkenntnisse wie aus einem Sachbuch vermittelt. Der folgende Abschnitt basiert auf Aussagen, welche diesem Buch von Ella Kensington: Die 7 Botschaften unserer Seele, Botschaft 1, auf den Seiten 50 bis 55 entnommen wurden.[1] Ich habe diese Aussagen aus dem Dialog zweier Hauptfiguren des Romans in den Sachbuchkontext übernommen und mit meinen Worten unter Hinzusetzung eigener Aussagen nachfolgend zusammengefasst:

Zu Beginn deines jetzigen Lebens bist du die Geist/Seele-Einheit, die gerade eben in den kleinen Menschenkörper inkarniert ist. Unmittelbar bis zur Beseelung des Körpers ist dir noch bewusst, wer du bist. Der Beginn des Menschseins ist der Zeitpunkt, zu dem die Geist/Seele-Einheit den neuen physischen Körper in Besitz nimmt. Das muss nicht notwendigerweise die Geburt sein. Er liegt irgendwo zwischen Zeugung und Geburt. Dieser Beginn ist individuell, das heißt die Geist/Seele-Einheit inkarniert zu dem Zeitpunkt, zu dem es ihr am zweckmäßigsten ist. Dies hängt sehr stark von deinem Lebensplan und der Lebensaufgabe ab, die du in diesem Leben absolvieren möchtest. Bevor du ein körperliches Wesen wirst, hast du bereits deine Lebensmatrix programmiert und dein Ziel bestimmt, das du erreichen möchtest. Zunächst musst du beim Eintritt in den Körper einen Filter passieren, der dein bisheriges Wissen ausblendet. Ich nenne diesen Filter, den Filter der Unbewusstheit. Er bewirkt, dass du dir nach der Verschmelzung mit deinem neuen Körper nicht mehr darüber bewusst bist, dass du wiedergeboren wurdest, das Jenseits deine eigentliche Heimat ist und du einen Plan für dieses Leben aufgestellt hast. Da wir zu diesem Zeitpunkt ohne bewusstes Wissen sind, sind wir am Anfang unseres neuen Lebens naturgemäß auf andere Menschen angewiesen. Bei den allermeisten Menschen sind es die Eltern, die sie umsorgen und ihnen ihr Wissen und ihre Überzeugungen vermitteln. Sie prägen also von Anfang an die Persönlichkeit und bestimmen das Denken und Handeln ihrer Kinder. Je intensiver du die Prägung deiner Eltern annehmen willst, desto früher gehst du in deinen embryonalen Körper. Warum tust du das? Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen hast du durch diese Maßnahme die Möglichkeit, auf ganz bestimmte Schwierigkeiten im Leben zu stoßen, die durch die Prägung deiner Eltern sehr wahrscheinlich auftreten werden (Tolle „Aussicht“, jetzt stellt sich bei dir sicher die Frage: Wieso will ich auf Schwierigkeiten stoßen?). Zum anderen bist du an deine Eltern gebunden, denn du wächst zunächst ohne bewusstes Wissen in dieser Welt auf, in der du ohne deine Eltern nicht überleben könntest. Zunächst sind dir nur Grundinstinkte gegeben, die dich in die Lage versetzen, deinen Eltern durch Schreien verständlich zu machen, wenn du Hunger oder Schmerzen hast, deine Windel voll ist oder du ihre liebevolle Nähe suchst. Du bist also zunächst ganz von ihnen abhängig, und das merkst du auch sehr schnell. Im Zuge deiner körperlichen und geistigen Entwicklung wandelt sich die zunächst einfache Interaktion mit deinen Eltern zu einer immer komplexeren, bei der du schließlich die Prägungen durch deine Eltern über deine Sprache, deine Mimik, deine Gestik und deine Handlungen über dein erlerntes neues Wissen widerspiegelst. Deine frühe Entwicklung ist der erste Ausfluss des Denkens einer Gruppe – deiner Familie. Durch dieses Gruppendenken kommt es zu einem stärkeren Zusammenhalt, der das Überleben des einzelnen Gruppenmitgliedes sicherer macht. Um in deiner Familie ohne große Probleme leben zu können, musst du dich so verhalten, dass dieses Verhalten von den Anderen akzeptiert wird. Deine Familie zeigt dir, wie du dich nach ihrem Muster außerhalb der Gruppe zu verhalten hast, um auch dort überleben zu können. Du wirst also darauf vorbereitet, eine noch nie da gewesene Situation entsprechend des Familiengeistes zu meistern. Verstehst du? Durch diese akzeptierte Denkweise wirst du auch in solchen Situationen vermeintlich richtig handeln. Du nimmst deshalb eine Rolle in deinem Leben an, weil du nur dadurch zur Familie gehören kannst. Du merkst als Kind auch sehr schnell, dass du geliebt wirst, wenn du dich an die Rolle hältst, und dass du bestraft wirst, wenn nicht. Man nennt diesen Vorgang Erziehung. Du spielst also zunächst die Rolle, die in deiner Familie gefordert wird. Danach kommt der Kindergarten, die Schule, der Verein, der Beruf, die eigene Familie und so weiter. Dann spielst du viele verschiedene Rollen. Du bist scheinbar immer jemand anderes, wenn du mit anderen Menschen zusammenkommst. Jedoch kommen in immer neuen Gruppen grundsätzlich die gleichen Mechanismen zum Tragen, wie in deiner Familie. Wenn du die gleiche Denkweise akzeptierest, wirst du anerkannt, und wenn nicht, gemieden. Bedeutet das, dass du überall wo du hingehst, deine Handlungen ausschließlich nach anderen Menschen und Gruppen richtest und du keine eigene Meinung mehr hast? Ganz so ist es nicht. Sehr wohl kannst du eine andere Meinung haben und diese auch äußern, ohne dass du dafür bestraft oder abgelehnt würdest. Dies wird aber nur dann von der jeweiligen Gruppe akzeptiert, wenn es dem Gruppenkodex entspricht. So mag dein Widerspruch zu einer im Unterricht geäußerten Aussage deines Lehrers deshalb akzeptiert werden, weil solches Auftreten in der Schule gewollt ist und es dem Bildungsauftrag entspricht, selbstbewusste Persönlichkeiten mit einer eigenen Meinung heranzuziehen. Jedoch lässt sich ein solches Verhalten in einer anderen Gruppe nicht ohne Weiteres wiederholen. So wird es ein Vorgesetzter beim Militär wohl kaum akzeptieren, wenn du in ähnlicher Manier über gegebene Befehle diskutieren wolltest. Wie dieses Beispiel zeigt, können verschiedene Gruppen bei gleichen oder ähnlichen Konstellationen von dir unterschiedliche Reaktionen abverlangen. Was passiert schlussendlich mit deinem Denken und Handeln, wenn du längere Zeit Mitglied einer bestimmten Gruppe bist? Du passt dich ihr an, um dazuzugehören. Das geschieht natürlich nur, wenn ihr in eurer Sichtweise nicht so weit auseinanderliegt. Wenn es keine gemeinsame Basis gibt, wirst du nicht zu der Gruppe gehören wollen, oder wenn du aus beruflichen oder sonstigen Gründen dazu gezwungen bist, wirst du ein Außenseiter bleiben, wer von den Anderen gemieden wird. Verstehst du nun, was mit den Rollen gemeint ist und wie sie entstehen?[2]

Da du jetzt vielleicht erkannt hast, dass du eine oder viele Rollen spielst, ist ein erster Schritt getan, um sich selbst zu erkennen. Überlege, ob du die Rolle so noch spielen kannst und dies möchtest, wenn du dich selbst nun mit anderen Augen siehst. Das Bewusstwerden der Rollenspiele versetzt dich in die Lage, dein Leben anders und vor allem bewusster zu leben. Sieh dein Lebensumfeld mit anderen Augen; du wirst erstaunt sein oder dich vielleicht sogar amüsieren, wie andere Menschen denken und handeln (müssen). Wenn du so weit im Denken bist, dann hast du die Fäden, an denen du wie eine Marionette hängst, erfolgreich zerschnitten.


[1] Ella Kensington: Die 7 Botschaften unserer Seele, 1. Auflage, Wilhelm Goldmann Verlag München, S. 50 – 55

[2]Ende des Abschnittes, auf welchen Bezug genommen wurde.


Der Lebensplan und die Gegensätzlichkeit

19. Oktober 2007

Man kennt das Gefühl; man will etwas Bestimmtes, ganz intensiv, ganz fest, ganz verkrampft. Man ist darauf fixiert und wiederholt gedanklich seine Intension, immer und immer wieder. Es wird zu einer Zeitschleife, die wiederholt abläuft. Das ersehnte Ziel ist aber nicht erreichbar. Es ist wie verhext. Wenn ich jetzt sage, dass es so nicht funktionieren kann, weil es nicht in der Lebensplanung steht, dann wird der Eine oder Andere vielleicht sagen …. Lebensplanung? Was ist das denn für ein Schwachsinn! Nun gut … diese Einstellung kann ich verstehen. Ich war früher auch nicht anders. Nun kam mir ein Buch von Sylvia Browne in die Hände, welches den Titel „Einsichten“ trägt. In diesem Buch erläutert die Autorin die Sichtweise ihres spirituellen Weltbildes und ihrer im Laufe ihrer Praxis als Medium gemachten Erfahrungen. Sie fügt ihren Erläuterungen etliche Briefe ihrer Klienten bei, welche ihr nach einer Beratung, einem sogenannten Reading, erstaunliche Dinge berichteten, die sich so ereigneten, wie sie ihnen angekündigt worden waren. Viele hatten ihre Zweifel, dass die Ankündigung von Sylvia Browne tatsächlich eintreten würde. Es gab hier natürlich immer ein gewisses Zeitfenster zwischen dem Reading und dem eintretenden Ereignis. Letztlich trat das Ereignis aber zur Verblüffung der Klienten fast wortgenau ein. Völlig überraschend, weil sie nicht mehr daran dachten, aber trotzdem kam es so sicher wie das Amen in der Kirche.

Was hat es nun mit der Lebensplanung auf sich? Hier ist ein kurzer Diskurs zum Thema „Reinkarnation“ und „Weltbild“ nötig. Beim rein materialistíschen Weltbild wird davon ausgegangen, dass der Mensch geboren wird, sein Leben lebt und stirbt. Es gibt danach keine Trennung zwischen Körper und Geist. Mit dem Körper stirbt auch das Bewusstsein. Die spirituelle Sichtweise der Religionen geht hingegen davon aus, dass Körper und Geist (bzw. die Seele) getrennt zu sehen sind, d.h. mit dem Tod keine Einheit im Diesseits mehr bilden und die unsterbliche Seele in die andere Dimension (ins Jenseits) übergeht. Der Geist (die Seele) das ist unser Ich-Bewusstsein, welches mit dem Tode des physischen Körpers nicht einfach aufhört zu existieren. Es geht weiter, denn das „Ich“ hört nicht auf, wahrzunehmen. Dies ist auch meine persönliche Überzeugung. Tausende von Nahtodberichten, welche dokumentiert sind, haben dies bewiesen. Ich verweise hierzu auf meinen Blogeintrag „Der Tod ist nicht das Ende“. Dass die Reinkarnation der Glaube an die Wiedergeburt ist, brauche ich wohl nicht näher erläutern. Dieser Glaube wird nicht von allen Religionen reflektiert. Die Reinkarnation wurde durch sogenannte Rückführungsmeditationen nachvollzogen, bei denen der Klient mittels Hypnose in ein altes Bewusstsein eines früheren Lebens gebracht wird. Einzelheiten aus den früheren Leben konnten in vielen Fällen durch alte Chroniken, Taufregister und Personanstandsbücher verifiziert werden. Über einzelne Fälle wurde in den Medien berichtet.

Wenn man nun den Versuch unternimmt, den Erläuterungen von Sylvia Browne zu folgen, so sollte man zunächst als gegeben  unterstellen, dass a) Körper und Geist (Seele) keine dauerhafte Einheit bilden und b) die Seele – von Zeit zu Zeit – in einem neuen Körper wiedergeboren wird. Sylvia Browne erläutert nun, dass unser eigentliches Zuhause auf der jenseitigen Ebene liegt. Was wir auf dieser Seite, in unserem Körper und in dieser Welt absolvieren, sei nur so etwas wie ein „Ausbildungslager“ um uns fortzuentwickeln. Unsere eigene Seele hat hierbei vor der Reinkarnation das „Drehbuch“, den Lebensplan, für dieses Leben geschrieben. Natürlich sind wir uns dessen nicht bewusst. Angesichts dessen, dass da so negative und teilweise schlimme Schicksalsschläge im eigenen Leben passierten, mag es unglaublich sein, dass man diese Dinge in seinen Lebensplan geschrieben hat. Als rationell denkender Mensch müsste man meinen, dass man doch, wenn man es selbst in der Hand hat, sich nur Harmonie, Glück und Liebe in den eigenen Lebensplan schreiben würde. Sylvia Browne argumentiert hier aber, wie ich meine nachvollziehbar, dass man dann doch gleich in der jenseitigen Ebene bleiben könnte, weil  es da irdische Probleme gar nicht gäbe, denn die Seele lebt dort in Harmonie, Glück und Liebe. Insoweit erscheint es überzeugend, dass die Seele im irdischen reinkanierten Leben nur „wachsen“ kann, wenn sie in ihren Lebensplan ein Lernpotential hineingeschrieben hat.

Sylvia Browne ist nun als Medium in der Lage in den Lebensplänen ihrer Klienten „zu lesen“ und diesen bestimmte Einzelheiten aus ihrem jeweiligen Lebensplan mitzuteilen. Da sind Ereignisse zu Partnerschaft, Beruf und Familie, welche sie ihren Klienten mitteilt, die da eintreten werden, weil sie so geschrieben wurden. Viele Klienten der Sylvia Browne konnten es nicht glauben, weil sie so von ihrer gegenwärtigen Situation überzeugt waren, dass sie da nur die für sie wahrnehmbare Perspektive sahen. Es ist wohl das Beste, wenn ich hier einfach mal aus dem Buch von Sylvia Browne zitiere:

1. Zu Partnerschaft und Liebe:
„Ich fragte Sylvia, ob sie sah, dass ich meinen Freund, mit dem ich damals zusammen war, heiraten würde. Ich war enttäuscht, als sie mir dringend riet, diesen „Stubenhocker“ loszuwerden. Dann fragte sie mich, ob ich einen großen, kräftigen Kerl mit Haselnussaugen und dunkelbraunem, lockigen Haar kennen würde, denn das sei der Mann, den ich irgendwann im Frühjahr heiraten würde (mein Reading fand im November statt).
Ich hätte Ihnen meine Bestätigung schon früher geschickt, aber ich komme gerade aus demn Flitterwochen zurück, die ich mit einem großen, kräftigen Kerl mit Haselnussaugen und dunkelbraunem, lockigen Haar verbracht habe, den ich während der Winterferien kennenlernte, kurz nachdem ich dem „Stubenhocker“ den Laufpass gegeben hatte …. (von Lilly)“

2. Zu Beruf
„Liebe Frau Browne, ….. ich war am Flughafen von San Josè Ihr Gepäckträger am Terminal der American Airlines und ich fragte Sie, ob ich meinen Beruf wechseln würde. Sie sagten mir, dass ich mein Talent vergeudete und es an der Zeit sei, all meine Energie in meine Musikkarierre zu stecken. Ich habe Ihren Rat befolgt …. ich bin inzwischen ein erfolgreicher Musikproduzent mit Namen wie Maria Carey und T.L.C. auf meiner Referenzliste …. (von Keith)“

Das waren bloß zwei Beispiele, die ich gekürzt wiedergegeben habe. In dem Buch von Sylvia Browne werden etliche andere, teilweise sehr verblüffende Beispiele für genannte Lebensveränderungen, wiedergegeben. Etliche Angaben sind sogar eidesstattlich versichert worden.

In Punkto Liebe und Partnerschaft, welche meines Erachtens immer die größten Potentiale menschlicher Entwicklung und Tragödien wiederspiegeln, gibt Sylvia Browne dem Leser – der vielleicht schon lange auf der Suche nach dem idealen Partner ist – einen verblüffenden Rat: „Je zufriedener Sie damit sind, frei und unabhängig zu sein, und je weniger sie eine Beziehung brauchen, desto größer sind Ihre Chancen, den Richtigen / die Richtige zu finden. Dies ist eine Tatsache und gleichzeitig ein Versprechen.“ 

Das ist das Gesetz der Gegensätzlichkeit!