Klartraum der Superlative

22. November 2006

Den nachfolgend beschriebenen Klartraum möchte ich als einen meiner besten bezeichnen. Das markanteste Detail war mit Abstand das Fliegen ohne Flügel und Flughilfen. In einem Klartraum ist es ohne Weiteres möglich mittels „Schwimmbewegungen“ zu fliegen und dabei sein eigenes „Ich“ so klar und realistisch im Schwebezustand – abgehoben vom festen Boden – zu erleben, dass das „süchtig“ machen kann (da hier aber keinerlei Drogen im Spiel sind, wird man natürlich nicht wirklich süchtig). Alle 3D-Computerspiele sind dagegen kalter Kaffee. Wer mir das nicht glauben mag, sollte es mal selbst versuchen.

Zunächst hatte ich einen „normalen Traum“. Soweit ich mich erinnern kann, feierte ich mit anderen Leuten (ich fühlte mich einem Verein zugehörig). Wir saßen an langen Tischen und Bänken in einem großen Zelt, tranken Bier aus Krügen und aßen Speisen von einem Buffet, das in einer Ecke des Zeltes aufgebaut war. Ich erinnere mich an Hähnchenkeulen, die ich verputzte. Dann beschloss die Versammlung, sich aufzulösen und nach Hause zu gehen. Ich beschloss, nach Hause zu fliegen. So stieß ich mich vom Boden ab und erlangte durch Schwimmbewegungen langsam an Höhe. In diesem Moment sendete mein Unterbewusstsein ein Signal an mein Bewusstsein. Moment mal! Ich fliege nach Hause?! Ich machte einen Realitätstest (RT) und verglich die Situation mit meinen Kenntnissen aus dem Wachbewusstsein. Da man im realen Leben durch Schwimmbewegungen nicht fliegen kann, dies aber gerade geschah, kam ich zu dem Schluss, dass ich träumen müsste. Ich war gerade im Aufsteigen begriffen und durch meine Erkenntnis, dass ich mich in einem Traum befand, wurde augenblicklich alles klar und scharf. Der Horizont weitete sich, mein Tunnelblick verschwand und unter mir sah ich eine sehr detailreiche Landschaft. Die Häuser, Strommasten, Bäume, Straßen und Felder wurden langsam kleiner. In meiner Nähe sah ich blaue fliegende Fische, deren Schuppen das Sonnenlicht reflektierten. Blaue fliegende Fische gehören nicht hierher, dachte ich. Weg mit ihnen! Und prompt verschwanden die Fische. Ich dachte an die Schilderung eines Klarträumers bei Tholey, der beschlossen hatte, höher und höher zu steigen. Dies wollte ich auch, nämlich ganz nach oben. Und so „schwamm“ ich weiter durch die Luft, und zwar in etwa so, als ob man nach dem tiefen Eintauchen in einen See sich in Richtung der Wasseroberfläche bewegt. Nebenbei schaute ich immer wieder unter mich und genoss die tolle Aussicht. Die Dinge unter mir wurden immer kleiner und verschmolzen zu einer Ebene mit vielen Farbflecken. Der Horizont, die Wolken und das Blau des Himmels; dies alles war atemberaubend. Bald war ich so hoch „geschwommen“, dass ich sogar über die Atmosphäre unserer Erde hinaus kam und nun unseren wunderschönen blauen Planeten unter mir erblickte. Und so war ich in den Kosmos aufgestiegen, ohne ein Raumschiff zu benutzen. Nun hielt ich inne und genoss diesen phänomenalen Anblick. Es war unglaublich. Eine Weile schwebte ich reglos im Weltraum und beschloss dann, wieder zur Erde zurückzukehren und irgendwo zu landen. Ich dachte: Landen kann man doch auf einem Flughafen. Ich wünschte mir, einen Flughafen zu sehen und prompt sah ich mitten in einem Waldgebiet einen Tower und große Abfertigungsterminals. Langsam sank ich mit leichten Schwimmbewegungen hinab. Schließlich landete ich hinter einem großen Stahlgittertor, das zusammen mit einem weitläufigen stacheldrahtbewehrten Stahlgitterzaun das Gelände des Flughafens vom Außenbereich abgrenzte. Hinter der Umfriedung sah ich eine betonbefestigte weitläufige Piste. Ich wollte auf das Gelände und beschloss daher, über den Zaun zu klettern. Irgendwie kam ich da rüber, was mir wegen des Stacheldrahtes einige Mühe bereitete. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass ich etwas Verbotenes mache. Als ich auf der anderen Seite stand, hörte ich jemanden kommen. Schnell duckte ich mich ab. Ein Uniformierter ging an mir vorbei. Er trug eine Ein-Strich-Kein-Strich-Uniform[1], ein Käppi und am Gürtel eine verschlossene Pistolentasche. Als er meine Position passiert hatte, dachte ich erleichtert: Ha, er hat mich nicht gesehen! Meine Freude währte nicht lange, als ich bemerkte, dass er zu einem Flachbau mit großen Glasfenstern ging. Irgendetwas sagte mir, dass ich aus diesem Gebäude beobachtet wurde. Mist!, dachte ich und machte mich eilig daran, wegzulaufen. Doch zu spät; zwei uniformierte Typen kamen auf mich zugerannt, schnappten mich und nahmen mich in die Mangel. Sie traktieren mich in ein Flughafengebäude. Ich befand mich nun in einer Art Großraumbüro mit Tresen und Schaltern. Letztere hatten große Glasscheiben mit einem jeweils am Tresen ausgeschnittenen Oval. Komischerweise ließen mich die Uniformierten nun allein. Es schien so, als ob sie nichts mehr von mir wollten. Nun stand ich also an so einem Abfertigungsschalter und sah auf der anderen Seite einige asiatisch aussehende Männer, die an den Tresen herantraten. Sie sagten etwas. Mir kam sofort in den Sinn: Das ist koreanisch! Ich antwortete etwas in dieser Sprache, ohne zu wissen, was ich da sagte. Ich war erstaunt, dass ich das sprechen konnte. Noch erstaunter war ich darüber, dass es die Koreaner zu verstehen schienen und sich über meine Worte freuten. Sie zeigten mir ihre Pässe, was mir bewies, dass ich wohl danach gefragt haben musste. Einer der Koreaner holte ein paar Fotos heraus und schob sie durch das Oval in der Scheibe zu mir herüber. Sie waren quadratisch und hatten ein relativ kleines Format. Trotzdem konnte man auf den Fotos einen Teil der Koreanergruppe gut erkennen. Die Männer lächelten in Richtung der Kamera. Ich sagte wieder etwas auf koreanisch, ohne meine Worte zu verstehen. Es musste so etwas gewesen sein wie: Sehr schöne Fotos!, denn der Koreaner verzog seinen Mund zu einem breiten Lächeln. Sodann schob ich die Fotos zurück. Der Koreaner nahm sie wieder an sich und verbeugte sich vor mir. Die Koreaner wandten sich nun ab und liefen in die Richtung der Flugsteige. Als sie verschwunden waren, und da sich keine weiteren Reisenden vor dem Schalter eingefunden hatten, fasste ich den Entschluss, das Flughafengebäude zu verlassen. Unmittelbar hinter den Tresen befanden sich Türen, durch deren Scheiben ich erkennen konnte, dass sie alle nach draußen führten. Vorsichtig blickte ich mich um und öffnete die Tür, die mir am nächsten war. Da kein Warnsignal ertönte und auch keine Uniformierten zu sehen waren, begab ich mich nach draußen. Nun befand ich mich auf einer riesigen Betonfläche. An einigen Stellen standen große Laubbäume, die den Beton durch ihr Wachstum im Laufe der Zeit förmlich gesprengt hatten. Plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel, dass wieder so ein Uniformierter auf mich zurannte. Diesmal war ich vorgewarnt und ich erinnerte mich daran, dass ich ja fliegen konnte. Sofort stieß ich mich von Boden ab und begann mit rudernden Schwimmbewegungen, nach oben zu steigen. Gleich darauf hatte der Uniformierte meine vorherige Position am Boden erreicht und versuchte noch mit ausgestreckten Armen meine Füße zu fassen zu bekommen, was ihm freilich nicht mehr gelang. Frustriert rief er zu mir hoch: „Na, das geht doch gar nicht!“ Belustigt antwortete ich ihm: „Womit bewiesen wäre, dass man auch ohne Flügel und ohne Flugzeug fliegen kann!“ Ich sah noch, wie immer mehr Uniformierte unter mir zusammenkamen, heftig gestikulierten und mit großen Augen zu mir nach oben sahen. Dann wandte ich mich ab und stieg mit schnellen Schwimmbewegungen weiter nach oben. Als ich mich einige Kilometer vom Flughafen entfernt hatte, bemerkte ich dunkle, bedrohlich wirkende, Wolken am Horizont, die ein herannahendes Unwetter ankündigten. Da mir diese Wetterlage nicht geheuer war, fasste ich den Entschluss, mir ein Hotel herbeizuwünschen, um es anzufliegen und das Unwetter dort abzuwarten. Wie aus dem Nichts tauchte nun ein mehrgeschossiges Gebäude auf, an dessen Glasfassade der Schriftzug Hotel Merkur prangte. Sofort ging ich in den Sinkflug über und steuerte den Eingangsbereich des Hotels an. Kaum das ich dort gelandet war, verlor ich meine Klarheit.

Was bei diesem Traum aufgefallen sein dürfte, ist der Umstand, dass ich keineswegs immer die Kontrolle über das Geschehen hatte. Dies zeigte sich zum Beispiel dadurch, dass mich die Uniformierten in die Mangel nehmen und in das Flughafengebäude bringen konnten. Gleichwohl war der Traum die ganze Zeit klar. Wenn man also von einem Klartraum spricht, sollte man sich vor Augen halten, dass es unterschiedliche Stufen der Klarheit gibt.


[1]Dies war die umgangssprachliche Bezeichnung für Felddienstuniformen der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Sie rührte daher, dass auf dem olivgrünen Stoff dieser Uniformen kleine braune Striche in unterschiedlicher Länge aufgedruckt, jedoch alle parallel angeordnet waren. Da die Striche und der Untergrund nur wenig variierten und teilweise fast miteinander verschmolzen, ging von dieser Strichstruktur so gut wie keine zusätzliche Tarnwirkung aus.

 


Der Weg zum bewussten Traum

10. November 2006

Der Klartraum ist, wie bereits in vorangegangen Blogeinträgen erläutert, eine Möglichkeit, sein eigenes Bewusstsein mit einer Intension zu erweitern, wie man es nie vermuten würde. Die erste große Hürde, um diese Erfahrung zu machen, ist die, dass man im Traum unbedingt wieder die Oberhand über die eigene Bewusstseinssteuerung erlangen muss. Man muss merken, dass man träumt, damit man den Sprung in die andere Ebene des Traumes schaffen kann. Eine Grundvorraussetzung hierfür ist es, dass man sich eine gewisse kritische Alltagshaltung aneignet. Es fällt mir schwer, zu erklären, wie man das verstehen soll, ich versuche es hier aber zu vermitteln. Alle diejenigen, welche schon mal einen Klartraum hatten, können leichter nachvollziehen, worauf es ankommt.

Ich will da mal mit einem Fallbeispiel einsteigen:
Stell dir mal vor, du bist in New York auf dem Times Square und schaust dich um. Überall grell schreiende Werbung, wobei du natürlich registrierst, dass alles auf dich in Englisch einwirkt. Das könnte in etwa so aussehen (Bitte auf das Thumnail klicken):

Es ist also alles völlig normal und du würdest im Traum nicht darandenken, dass du vielleicht gerade mitten im Träumen bist und deine Wahrnehmungen nur Traumhandlungen sind. Plötzlich bemerkst du aber, dass bei deinen Wahrnehmungen etwas nicht stimmt.

Bei unserem Time Square Beispiel tauchen in der wahrgenommenen Werbung plötzlich deutsche Wörter oder gar Sätze auf. Das könnte in etwa so wirken (Bitte auf das Thumnail klicken):

Es wird dir plötzlich bewusst, dass hier etwas nicht stimmt und dir wird klar, dass du träumst. Der Traum selbst weist dich auf den Umstand hin, dass du nicht wach bist, sondern träumst. Entweder du merkst diesen Wink mit dem Zaunpfahl oder dein Bewusstsein verarscht dich ungehemmt weiter.

Genau an diesem Punkt musst du im Alltagsleben deine innere Einstellung finden. Blicke daher im Wachzustand immer kritisch auf deine Wahrnehmungen und versuche dir mal vorzustellen, wie es wäre, wenn mal eine Situation eintritt, welche so gar nicht eintreten kann, weil dies deiner eigenen Erfahrung gar nicht möglich ist.

Wenn man also diese kritische Haltung im Wachzustand bewusst aufbaut wird man bald den Weg zum bewussten Traum finden.


Träume ich?

4. November 2006

luciddream240x180Im Anschluss an meinen Blogeintrag Klartraum – Die Freude am Träumen hatte ich angekündigt, zu erklären, wie man einen Klartraum herbeiführen kann. Ich möchte diesbezüglich eingangs gleich betonen, dass die Sache völlig ungefährlich ist, aber Geduld und Stehvermögen erfordert. Ein Erfolg wird sich nicht unbedingt sofort, morgen oder übermorgen einstellen; wenn man aber geduldig ist, wird man Erfolg haben. Was man man dann während des Träumens erlebt, stellt alle Vorstellungen von Tag- und Traumerleben in den Schatten. Man wird hinterher sagen können, dass man nicht geglaubt hat, dass so etwas möglich sei.

Wie aber führe ich nun einen Klartraum herbei. Die Lösung ist ganz einfach und ergibt sich schon aus der Überschrift dieses Blogeintrages. Die Frage „Träume ich?“ ist der Schlüssel zum Klartraum. Wie bereits erläutert, lässt sich das Bewusstsein des Schlafenden in die Irre führen. Der Schlafende träumt, kann aber seinen Traum nicht steuern. Er weiß im Schlaf einfach nicht, dass es ein Traum ist. Käme der Träumende während des Traumes zur Erkenntnis, dass es ein Traum ist, d.h. würde er sich darüber bewusst, dass er träumt, könnte er sofort das Heft des Handelns in die Hand nehmen und seinen Traum fortan steuern. Er könnte sich frei bewegen (Hindernisse wie im Wachzustand gibt es nicht) er könnte tun und lassen was er will. Und das Ganze bei vollem Bewusstsein, dass dies alles zwar ein Traum aber doch verblüffend echt ist.

Für die Herbeiführung des Bewusstwerdens im Traum ist es nötig, dass ich im Wachzustand eine kritische Haltung zur Realität der Wahrnehmungen des eigenen Bewusstseins aufbaue, welche vom Unterbewusstsein im Traum reflektiert wird. Das funktioniert in etwa so wie wenn ich im Wachzustand einen Wecker stelle, damit mich dieser durch sein Klingeln zu einer bestimmten Zeit aufwachen lässt. Der Unterschied zum Wecker – und damit auch die Schwierigkeit – liegt darin, dass ich eben durch meine Suggestion nicht erreichen sollte, dass ich aus dem Traum aufwache, sondern, dass ich im Traum(geschehen) merke, dass ich träume ohne hierdurch aufzuwachen. Ich erreiche dies, in dem ich im Wachzustand mir immer wieder eine kritische Haltung zur Realität verinnerliche und mir die Frage stelle: „Träume ich? Bin ich wach?“ Zugegeben, dies ist sehr schwierig, denn wenn man wach ist, dann ist man ja wach. Wie sollte man sich da vorstellen, dass man vielleicht nicht wach ist. Man muss hier aber eisern bei der Sache bleiben und sich mal vorstellen, dass das was man gerade erlebt, auch ein Traum sein könnte. Gut geholfen hat hierbei auch die Methode, dass man sich intensiv vorstellt, dass man Dinge macht, welche im Wachzustand normalerweise nicht möglich sind. Man stelle sich also beispielsweise vor, dass man den Kopf durch ein geschlossenes Fenster steckt, ohne es zu öffnen. Wenn man diese kritische Haltung in seinem Unterbewusstsein zementiert, wird man sie in das Traumgeschehen übetragen können und ziemlich bald einen Klartraum haben. Weitere Hinweise und umfassende Beschreibungen findet man bei Paul Tholey, einem deutschsprachigen Klartraumpionier.

Weitere Erläuterungen meinerseits, folgen in weiteren Blogeinträgen.

 


Klartraum – Die Freude am Träumen

1. November 2006

KlartraumWer schon mal ein Erlebnis der „dritten Art“ während des Schlafens hatte, weiß wovon ich jetzt schreibe. Es funktioniert völlig ohne Drogen und hat einen weit höhern Aha-Effekt als alles jemals zuvor Erlebte. Viele werden schon mal unbewusst ein solches Erlebnis gehabt haben. Ich spreche vom sog. Klartraum, auch luzider Traum genannt. Wann hat man so einen Traum? Für gewöhnlich schläft man und verliert während des Schlafens die Kontrolle über seine Gedanken. Entweder träumt man gar nichts (man nimmt nichts wahr) oder was man träumt kann man nicht beeinflussen. Der Traum macht mit einem, was er will. Man kann das Traumgeschehen im normalen Traum nicht steuern, denn man hat nicht wahrgenommen, dass man träumt. Der Traum ist auch nicht sehr intensiv, denn die farblichen Wahrnehmungen sind nur eingeschränkt; der Fokus des Wahrnehmens ist ein wenig verschwommen. Man kann sich an solche „normalen“ Träume meist nur schlecht erinnern. Schnell gerät so ein Traum in Vergessenheit. Bei einem Klartraum sieht es ganz anders aus. Im Traum, also während des „normalen“ Träumens erkennt der Schlafende, dass er träumt und mit dieser Erkenntnis verändert sich sofort die Wahrnahme im Traum. Es ist ein höchst verblüffender Effekt, welcher mit Worten nur schlecht zu beschreiben ist. Der eigene Fokus wird scharf, die Farben der Traumumgebung sind plötzlich leuchtend und facettenreich, es ist besser als 3-D-Kino, denn es ist eine Wahrnahme als wenn man wach wäre. Ich hatte bei dem Klartraumforscher Paul Tholey gelesen, wie man diesen Zustand erreichen könnte. Nachfolgend will ich diesbezüglich meinen ersten bewusst herbeigeführten Klartraum schildern:

In meinem Traum befand ich mich in einem Buchladen. Ich schaute auf große Bildbände, die in schön anzuschauende Schutzumschläge eingefasst waren und in einem Regal standen. Beim Betrachten der Bildbände erfasste ich die Titel, an welche ich mich allerdings nicht erinnern kann. Ich nahm einzelne Bücher aus dem Regal und blätterte darin. In der hintersten Ecke der Buchhandlung sah ich eine offenstehende Tür, die meine Neugierde weckte. Dort angekommen schritt ich hindurch und betrat einen Nebenraum. Dort standen eine Klappleiter und allerlei Utensilien herum, die man für eine Renovierung benötigt (Tapetenrollen, Farbeimer, Kleister, Pinsel usw.). Oh, dachte ich. Wieso bin ich hier? Da ich mir im Wachzustand immer wieder die Frage gestellt hatte, ob ich träume oder wache, stellte ich sie mir auch in diesem Moment. Ich blickte mich im Raum um und stellte erstaunt fest, dass unter der Leiter eine Dose mit gelber Farbe in der Luft schwebte und sich um eine imaginäre Achse drehte. Ich dachte: So etwas gibt es im Wachzustand nicht! Kaum dass ich diese Erkenntnis gezogen hatte, wurde der Traum klar. Plötzlich konnte ich alle Einzelheiten scharf erkennen, ich roch die Farbe und sah die Feuchtigkeit an den Stellen der Wände, die frisch gestrichen waren. Begeistert dachte ich: Tholeys Methode ist einfach toll, das ging ja schnell! Ich freute mich wie ein Schneekönig. Um diese unglaubliche Klarheit zu begreifen, kniete ich auf den Fußboden und ertastete die alten, unrenovierten, mit weinroten Farbresten versehenen, Holzdielen, deren Maserung ich so deutlich wahrnahm, dass ich es nicht fassen konnte. Diese Traumrealität war faszinierend. Schön! Du bist klar!, dachte ich. Ich schaute mich um. Der Raum hatte ein Fenster. Tholey empfiehlt, etwas zu tun, was mir die Garantie gibt, in einem Klartraum zu sein. Also ging ich zum Fenster und überlegte, meinen Kopf durch das Glas zu stecken. Gedacht und getan. Vollkommen irre! Das Glas schloss sich so um meinen Körper, als ob man einen Körperteil durch eine straff gespannte Folie steckt, ohne einen Widerstand zu spüren. Wahnsinn, mein Kopf ist draußen und mein übriger Körper noch drin! Die Temperatur außerhalb war kühler, als im Raum. Ich beschloss, den Raum vollständig zu verlassen und sprang. Ich dachte in diesem Moment: Passieren kann Dir ja nichts! Und richtig; kam ich doch mit einer gekonnten Drehung außerhalb des Gebäudes auf den Füßen zu stehen. Die Umgebung musternd erfasste ich den mir bekannten alten Plattenweg, der zur Bahnhofstraße in Burg führt. In einer der Plattenfugen funkelte etwas. Ich beschloss, dem Funkeln nachzugehen. Bei näherer Betrachtung stellte sich das Funkeln als eine kleine, leuchtende Glühbirne, die in einer Kunstblume eingefasst war, heraus. Tholey sagt: Nur nicht zu sehr fixieren, sonst fliegst du aus dem Traum. Also entschied ich, mich weiter umzusehen. Toll! Wunderbar! Alles ist so real! Die Straßen, die Häuserzeilen, die Türme in der Ferne und die Bäume. Das alles wollte ich auch von oben betrachten und so beschloss ich, mich mit den Füßen vom Erdboden abzustoßen. Mit einer Art Schwimmbewegung schaffte ich es, einige Meter in die Höhe zu steigen. Dann war leider Schluss und ich wachte auf.

Man kann diese Art des Träumens erlernen, worüber ich in meinem nächsten Blogeintrag berichten werde.