Die Kunst des Loslassens

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Da sitzt eine breite Masse täglich vor dem TV-Gerät und lässt sich durch diffuse Boulevardsendungen berieseln. Explosiv, Exclusiv, Brennpunkt, Leute heute und wie diese Sendungen noch so heißen, durch die der geneigte Zuschauer die neuesten „aufregenden“ Dinge über die Menschen erfahren kann, die man Stars und Promis nennt. Ja das wird dann am nächsten Tag noch eines der Gesprächsthemen in der Firma, dass zum Beispiel Heidi Klum eine neue Frisur hat. „Hast du die gesehen? Die muss ich auch haben!“ Feuer frei. Der Promi lässt einen Furz und der werte TV-Schauer klatscht Beifall und findet diese Suppe auch noch wohlriechend. Meine Frage, die sich bei solchem Verhalten an die „TV-Sauger“ richtet, ist: Habt ihr keine eigene Orientierung? Ich kopiere keinen „Star“, denn ich möchte ganz einfach keine Kopie sein. Ich bin selbst ein Original. Ich bin einzigartig und möchte es auch bleiben. Mein Geschmack richtet sich nicht nach dem von anderen Menschen. Dann gibt es da noch illustre Unterhaltungssendungen, die allabendlich in die Wohnstuben flimmern und dem TV-Publikum eine kurzweilige Ablenkung vom Alltag bieten. Die Sendung „Bauer sucht Frau“ erwärmt unser Herz; das Quiz „Wer wird Millionär?“ erweitert unser Wissen, die Samstagabendshow „Wetten, dass?!“ verbindet Jung und Alt und bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ können wir mit Spannung verfolgen, wie aus Nobodies „Superstars“ werden. Klingt das alles nicht toll? Was aber ist das, wenn du deine Aufmerksamkeit dem Inhalt solcher Sendungen widmest? Es ist eine Vergeudung deiner Potenziale, denn wenn du Fernsehen schaust, ist deine Aufmerksamkeit an die ausgestrahlten Inhalte gebunden. Auch wird durch Reizauslösungen des Fernsehens unterdrückt, dass wir Menschen in unsere Ruhe kommen und uns richtig tief entspannen können. Viele Menschen sagen zwar, sie fänden das Fernsehen entspannend, jedoch ist dies ein Trugbild. Da uns das TV immer und jederzeit mit Inhalten zuschüttet, sind wir ständig dabei, uns über diese Inhalte Gedanken zu machen. Das Lesen eines Buches, sinnvolle Unterhaltungen und besondere Momente, die unsere Aufmerksamkeit verdienen sollten, sind dann unmöglich.

Was würde nun geschehen, wenn der Strom ausfällt oder kein einziger TV-Sender mehr Sendungen ausstrahlt? Würdest du es mit einem Lächeln hinnehmen und dir Zeit für Dinge nehmen, die auch ohne TV-Gerät und Strom getan werden können? Die Antwort auf diese theoretische Frage kannst du dir nur selbst geben! Wenn du jedoch fluchend auf Gott und die Welt schimpfst, weil dir ein Abend ohne Fernsehen ganz und gar nicht gefällt, dann hat sich bei dir die Einflussnahme durch das Fernsehen zu einer Sucht entwickelt, die wesentliche Teile deines Lebens bestimmt. Dann hast du ein Problem mit dem Loslassen!

Wie sieht es in deiner Partnerschaft aus? Verlangst du regelmäßig, dass dein Partner sich pünktlich meldet, dass er wahrheitsgemäß und vollständig sagt, was er jetzt gerade vorhat, was er kaufen will und welche Leute er in den nächsten zwei Tagen trifft? Gibst du ihm alles vor, was er zu tun und zu lassen hat? Bist du misstrauisch, wenn seine SMS noch nicht eingegangen ist, dass er jetzt angekommen ist? Hey der müsste doch da sein! Warum meldet der sich nicht. Du starrst auf dein Handy, aber da rührt sich nichts. Das kann doch nicht sein! Du wirst immer ungeduldiger. Da ist irgendetwas im Busch! Wutentbrannt schickst du eine SMS. Du starrst auf dein Handy, doch da rührt sich weiter nichts. Wenig später bekommst du einen Anruf, du kennst die Nummer nicht, aber es die Stimme deines Partners. „Hey Schatz, wollte dir nur sagen, dass ich gut angekommen bin. Hätte ich dich schon eher kontaktiert, aber mein Handyakku ist leer, muss ihn erst laden.“ Dir fällt ein Stein vom Herzen, die ganze Aufregung war für die Katz! Du hattest ein Problem, du konntest nicht loslassen!

Dir fehlt das Vertrauen. Du lullst dich ein in Angstzustände und Fiktionen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Das hemmt dein Selbstvertrauen und schnürt dich ein. Es packt dich, wenn du dich packen lässt und es wird dich negativ verändern. Auf die Dauer wird es auch dein Verhältnis zu deinem Partner verändern, denn fehlendes Vertrauen wandelt sich in Misstrauen und Eifersucht. Wenn du das weiter vertiefst, dann ist das der Anfang vom Ende deiner Beziehung. Du solltest im Übrigen bedenken, dass jeder Mensch eine Grundausstattung an Freiheiten braucht. Wenn du deinem Partner da nicht ein Krümelchen mehr zugestehst, dann wird er eines Tages die Trennung vollziehen, um sich mit einem Schlag zu befreien. Um dies zu verhindern, heißt die einfache „Zauberformel“: Loslassen!

Hast du dich bereits von deinem Partner getrennt? Führt ihr einen Rosenkrieg? „Schlagt“ ihr euch um Toaster, Teller und die Kinder? Schickt ihr euch wie beim Pingpong Nachrichten hin und her, mit welchen der eine immer auf das reagiert, was der andere ihm gerade vorhält. Bist du nicht in der Lage mal nicht zu antworten? Sitzt in dir der Stachel der Verbitterung und willst du es deinem ehemaligen Partner „heimzahlen“ koste es, was es wolle? Dann hast du ebenfalls ein Problem mit dem Loslassen!

Ich könnte hier noch viele alltägliche Beispiele aufführen, die das Problem mit dem Loslassen veranschaulichen. Wir alle geben uns mit dem – vielleicht unbewussten – Festhalten an bestimmten Verhaltensmustern konkreten Zwängen hin, ohne darüber nachzudenken, ob das Leben nicht viel einfacher sein könnte, wenn man sich von diesem Denken befreit.

Das Loslassen ist eigentlich so einfach. Aber für viele Menschen ist es umso schwerer, weil sie jahrelang in eingefahrenen Gleisen fuhren und ein Wechsel im Denken so „kompliziert“ ist. Ist er tatsächlich so kompliziert? Nicht wirklich!

Wie kannst du loslassen?

  1. Betrachte deine jeweilige Situation und schätze für dich ein, ob du gerade irgendeinem Zwang unterliegst, der dich zu einem bestimmten Verhalten verleitet, was sich ständig wiederholt. Sieh dich einmal wie ein Mensch, der dich wie ein Dritter beobachten und analysieren würde.
  2. Entscheide dich, ohne einem Automatismus zu folgen.
  3. Lebe bewusster und halte öfters inne. Stell dir die Frage: Muss das jetzt so sein? Muss ich jetzt (so) reagieren?
  4. Wenn es die Situation nicht erfordert, dann reagiere nicht, sondern beobachte (was kommt, wenn du nicht reagierst; das kann für sich genommen höchst amüsant werden)!
  5. Folge deiner inneren Stimme und mache dir bewusst, dass sich die Dinge auch selbst regeln können. Du bist nicht der Bauchnabel der Welt!

Passend zu der Thematik des Loslassens möchte ich mit einem – wie ich meine – sehr zutreffenden Zitat enden:

„In Liebe loslassen

Manche Leute denken, dass man an dem was man liebt hängen und sich nicht befreien muss. Das Wesen wahrer Liebe ist die Freiheit; und Freiheit bedeutet loszulassen. Innerer Abstand hält uns zusammen, da wir einander genügend achten, um darauf zu vertrauen, dass der andere sein Leben ohne unser Eingreifen leben kann, egal, welchen Wachstums- oder Entwicklungsprozess er durchmachen muss.“

Dr. Brenda Davies  „Chakras – Tore zur Seele“

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